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Gesundheitspolitik 19. Jänner 2012

"Geld entscheidet über Existenz"

Zündstoff lieferte eine These des Deutschen Public Health Experten Hagen Kühn, anlässlich einer Diskussion zum Thema "Die Zukunft des Gesundheitswesens" am zweiten "Tag der Gesundheitsberufe" im Gesundheitsministerium. Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass es einen Paradigmenwechsel im österreichischen Gesundheitswesen braucht - weg von der Ökonomisierung, hin zu mehr Patientenorientiertheit und Individualisierung.


Ökonomisierung ist enorme Belastung


Gängige Prognosen seien realitätsfern, meinte Kühn, früherer Leiter der Abteilung Public Health am Wissenschaftszentrum Berlin. Die aktuellen Prognosen, würden von einer steigenden Belastung des Gesundheitssystems durch mehr ältere, multimorbide Menschen ausgehen. Trendwenden seien jedoch nicht vorhersehbar, die Konzentration auf die Demografie sei deshalb einseitig.


Ein Verteilungsproblem


Vielmehr gebe es, so Kühn weiter, ein Einnahme- und Verteilungsproblem: "Die Produktivität der Erwerbstätigen wächst proportional zur Altersstruktur - allerdings schlägt sich diese Produktivitätssteigerung nicht in den Löhnen und Gehältern nieder, was letzten Endes zu einem Finanzierungsproblem führen wird."


Auf die Gesundheitsberufe komme durch die Ökonomisierungstendenzen eine enorme subjektive Belastung zu, denn "das Geld entscheidet über die Existenz von Spitälern, Abteilungen, Stationen und Ordinationen", führte Kühn aus. Die Patienten würden aber eine Behandlung in ihrem subjektiven Interesse erwarten, nicht im Interesse Dritter.


Keine Geschäftsbeziehung


Die Beziehung zwischen Arzt und Patient dürfe nicht zur Geschäftsbeziehung verkommen; langfristig gehe sonst nämlich das persönliche und soziale Vertrauen in die Medizin verloren. Einig waren sich die Diskutanten darin, dass die Gesundheitsberufe in Zukunft stärker kooperieren müssen und ihnen neue Herausforderungen bevorstehen.


Gesundheitsminister zum Sparpaket


Auch das in den vergangenen Wochen vielfach diskutierte Sparpaket war Thema der Diskussion. Gesundheitsminister Alois Stöger hielt dazu fest, dass man durch eine Verbesserung der Qualität bzw. der Behandlungsprozesse Einsparungen treffen könne, etwa im Bereich der präoperativen Diagnostik. Manche Untersuchungen müssten wiederholt werden, es sei aber notwendig, hier das richtige Maß zu finden. Bürokratie im Spital


Eine differenzierte Meinung äußerte Stöger zu der seit Jahren immer wieder vorgetragenen Forderung der ÖÄK, in den Krankenhäusern Dokumentationsassistenten zu installieren, die dem ärztlichen Personal den stetig wachsenden Administrationsaufwand abnehmen könnten: "Dafür gibt es genügend ausgebildete Leute, die etwa aus den Handelsakademien kommen. Dieses Problem zu lösen, ist eine Frage der Organisation im Spital."

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