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Gesundheitspolitik 16. Jänner 2012

Fatale Nebenwirkungen?

Der Einzelhandel will am Medikamentenmarkt partizipieren und verspricht „billigere Pillen“. Die Apotheken befürchten „bittere Pillen“ und warnen vor steigendem Konsum.

Die Diskussion ist nicht wirklich neu, sie hat aber durch die Veröffentlichung einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes (WIFO) zur „Rolle der Wettbewerbspolitik in der Inflationsbekämpfung“ zusätzlich Fahrt aufgenommen.

Die WIFO-Experten kommen in der Studie zum Schluss, dass „eine rigorose Deregulierung der Spannen und ein weitgehender Wegfall der Apothekenpflicht für nicht rezeptpflichtige Arzneimittel den Preiswettbewerb deutlich beleben“ und so auch kurzfristig inflationsdämpfende Effekte mit sich bringen würde. Nicht rezeptpflichtige Arzneimittel seien ein Markt, konstatiert die Studie, dessen „Deregulierung ohne Qualitätsverlust substanzielle Preissenkungen erwarten lässt“.

Der österreichische Einzelhandel sieht sich in seiner langjährigen Forderung nach einer Liberalisierung des Vertriebs rezeptfreier Arzneimittel bestätigt. Die Apotheken stehen der Forderung naturgemäß äußerst kritisch gegenüber und sie werden dabei auch von vielen Gesundheitsexperten unterstützt.

Die Kritiker befürchten vor allem, dass ein aggressiver Preiskampf ohne die entsprechende fachliche Beratung zu einer Zunahme des Medikamentenkonsums im Allgemeinen und des Missbrauchs im Speziellen führen könnte. Zudem bestehe die Gefahr, dass ein insgesamt gut funktionierendes System mit einer garantierten Nahversorgung auch außerhalb der Geschäftszeiten (Stichwort Nacht- und Wochenenddienste) kippen könnte. 

 

Dr. Michael Böheim, Industrie- und Wettbewerbsökonom, WIFO Mag. Leopold Schmudermaier, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer Dipl. BW Harald Bauer, Geschäftsführer dm drogerie markt

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Gesetzgeber verneint die Mündigkeit"
Der Markt für nicht rezeptpflichtige Arzneimittel unterliegt einer strikten Regulierung, die dem Wettbewerb wenig zuträglich ist.
Dr. Michael Böheim, Industrie- und Wettbewerbsökonom, WIFO
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Standpunkt 2
"Arzneimittel in die Hand von Apothekern"
Wir sind kein Land von Pillenschluckern, weil die Abagbe von Medikamenten auch die fachliche Beratung in der Apotheke beinhaltet.
Mag. Leopold Schmudermaier, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer
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Standpunkt 3
"Höchste Zeit für Liberalisierung bei OTC"
Mehr Wettbewerb würde sich nicht nur im Preis, sondern auch bei der Kundenorientierung positiv auswirken.
Dipl. BW Harald Bauer, Geschäftsführer dm drogerie markt
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Von V. Weilguni, Ärzte Woche 3 /2012

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