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Gesundheitspolitik 15. Jänner 2012

AKH-Hebammen: Kontrollamt ortet Mängel

Das Kontrollamt hat die Arbeitssituation der Hebammen des Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) unter die Lupe genommen - dabei insbesondere im AKH. Denn Prüfer wurden auf das Ansuchen der Grünen hin tätig, die im Geburtenbereich von Österreichs größtem Spital Missstände orteten.

Das Ergebnis war in einem am Freitag veröffentlichten Bericht zu lesen: Im AKH gab es zwischen 2007 und 2010 eine hohe Zahl an unbesetzten Dienstposten, eine Verdreifachung der Krankenstandstage von 2009 auf 2010 und eine jahrelang ungelöste Führungsproblematik.

Das Kontrollamt wurde auf Ansuchen der Wiener Grünen tätig. Die Vorwürfe der Partei - sie war damals noch in der Opposition - bezogen sich nicht nur auf Mängel bei der technischen und sanitären Ausstattung, sondern vorrangig auf die Arbeitssituation der Hebammen. Eine personelle Unterbesetzung wurde ebenso kritisiert wie der Umstand, dass viele Geburtshelferinnen "ausgebrannt" seien und teilweise in andere Bundesländer abwandern würden.

Um dem Vorwurf der personellen Unterbesetzung nachzugehen, haben die Prüfer das jährliche Ausmaß der Nichtbesetzung vorhandener Hebammen-Dienstposten im AKH bzw. in den anderen Anstalten erhoben. Im AKH seien "in allen Jahren durchschnittlich deutlich mehr als vier bis zu rund sieben der für diese Bedienstetengruppe vorgehaltenen Dienstposten" vakant gewesen, hieß es im Bericht. Damit seien im Betrachtungszeitraum im Schnitt zwischen 13 und 20,5 Prozent der vorgesehenen Stellen unbesetzt gewesen. In allen anderen geprüften KAV-Einrichtungen sei der Wert immer unter sechs Prozent gelegen.

Im Bericht wurde jedoch auch darauf hingewiesen, dass man bei diesem Ergebnis nicht außer Acht lassen dürfe, dass vom AKH intern vorgenommene Personalbedarfsberechnungen einen geringeren Bedarf an Hebammen ergeben hätten als Dienstposten vorhanden gewesen seien. Langweilig war es den Hebammen im größten Krankenhaus Österreichs sicher nicht: Bezogen auf sogenannte Vollzeitäquivalente wurde dort die höchste Zahl an Geburten pro Hebamme gemessen.

Ins Auge gestochen ist den Prüfern der massive Anstieg an krankheitsbedingten Absenzen bei den AKH-Hebammen. Im Jahr 2010 hätte sich die Zahl der Krankenstandstage gegenüber 2009 verdreifacht. Der krankheitsbedingte Ausfall entsprach damals einem Ausmaß von durchschnittlich 4,60 Bediensteten. Bei näherer Betrachtung kam heraus, dass sechs Geburtenhelferinnen besonders häufig krank gewesen seien. Im Wilhelminenspital hingegen halbierten sich die Krankenstandstage 2010 gegenüber 2009 beinahe. Grund dafür war, dass zwei Hebammen, die krankheitsbedingt oft abwesend waren, in den Ruhestand versetzt wurden.

Die hohe Zahl an krankheitsbedingten Abwesenheiten könne sich "sowohl negativ auf die Belastungssituation der übrigen im jeweiligen Bereich tätigen Bediensteten, aber auch insgesamt auf den Dienstbetrieb - bis hin zu temporären Leistungseinschränkungen - auswirken", wurde im Bericht gewarnt. Das Kontrollamt empfahl dem KAV in diesem Zusammenhang, gemeinsam mit den Anstalten diesen Entwicklungen künftig insbesondere präventiv gegenzusteuern.

Einkommensvergleiche

Auch das Gehalt der Wiener Geburtenhelferinnen wurde unter die Lupe genommen und mit jenen der Hebammen verglichen, die bei der Niederösterreichischen Landeskliniken-Holding und der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) beschäftigt sind. Die Einkommenssituation der Wiener Hebammen sei durch die Schaffung von Zulagen im Jänner 2011 im hohen Maße an die Einkommenssituation der steirischen Mitarbeiterinnen angeglichen worden, hieß es. In Niederösterreich sind die Einkommen jedoch nach wie vor deutlich höher.

Kritisch merkte das Kontrollamt an, dass die Dokumentation der Arbeitszeiten im AKH nach wie vor handschriftlich erfolge, während sich die städtischen Spitäler bereits eines "EDV-Dienstplanpakets" bedienen würden. Die Prüfer stellten ausdrücklich unmittelbaren Handlungsbedarf fest, da die handschriftliche Dokumentation einen hohen administrativen Aufwand wie auch ein hohes Fehlerrisiko bedeuten.

Kontrollamt-Kritik gab außerdem es am jahrelang ungelösten Führungsproblem im Kreißsaal des AKH. Seit 2005 war der Posten der Stationshebamme nicht besetzt. Der Job wurde im Verlauf der Jahre mehrfach ausgeschrieben, jedoch ohne Erfolg. Der KAV entschied sich schließlich, den Posten nicht - wie angedacht - zur Oberhebamme aufzuwerten, sondern vielmehr eine zusätzliche Stelle für eine solche Führungskraft zu schaffen. Die "Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit" einer solchen Entscheidung konnte vom Kontrollamt nicht nachvollzogen werden. Laut KAV hat die Oberhebamme am 2. November 2011 ihren Dienst angetreten, hieß es einer Stellungnahme im Bericht.

Während die Verantwortlichen die Führungskraft suchten, gab es Probleme zwischen den Mitarbeiterinnen und der interimistisch eingesetzten Stationshebamme. Hier hätten laut Kontrollamt Konsequenzen gezogen werden müssen: u.a. die umgehende Besetzung der Leitungsfunktion, Maßnahmen wie Teamtrainings oder auch möglicherweise notwendige Versetzungen einzelner Hebammen.

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