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Gesundheitspolitik 14. Jänner 2012

Österreicher wollen Gesundheitsreform

Die Österreicher sehen im Gesundheitsbereich die größte Reformnotwendigkeit. In einer GfK-Umfrage für den Hauptverband der Sozialversicherungsträger meinten 82 Prozent, dass Reformen in der Gesundheit notwendig seien (48 Prozent sehr und 34 Prozent eher). Dahinter folgen die Schule und die Pensionen, wo je 78 Prozent Reformen für nötig erachten, danach die Öffentliche Verwaltung mit 77 Prozent.

Die von GfK-Geschäftsführer Rudolf Bretschneider gemeinsam mit den Spitzen des Hauptverbandes präsentierte Umfrage wurde allerdings schon im Spätsommer 2011 und damit lange vor Beginn der Sparpaketverhandlungen durchgeführt. Befragt wurden 2.000 Personen.

Der ausgeprägte Wunsch nach einer Gesundheitsreform entspringt aber keinesfalls einer Unzufriedenheit mit dem System. Nicht weniger als 85 Prozent halten das Gesundheitssystem für eines der besten in Europa. Trotzdem wird aber auch Kritik daran geübt. Eine satte Mehrheit von 86 stuft Doppeluntersuchungen in die Kategorie "Kostentreiber" und nicht unter "mehr Sicherheit für den Patienten" ein. Und mehr als drei Viertel kritisieren fehlende interne Abstimmungen - 78 Prozent haben das Gefühl, dass die linke Hand nicht weiß, was die rechte im Gesundheitssystem tut. Mehr als 80 Prozent glauben, dass dadurch die Qualität der Behandlung leidet und unerwünschte Wechselwirkungen von Medikamenten ausgelöst werden. Und zwei Drittel (67 Prozent) halten dadurch sogar lebensbedrohende Situationen für Patienten für wahrscheinlich.

Einen Haus- oder Vertrauensarzt haben 93 Prozent der Österreicher und sie stehen zu diesem auch sehr positiv. Die Ärztekammer fordert in ihrem Hausarztmodell, dass der Hauarzt verpflichtend zum Lotsen durch das Gesundheitssystem gemacht wird und sie erwartet sich laut einer Studie durch Vermeidung von unnötigen Ambulanzbesuchen Einsparungen von 335 Millionen Euro. Dieses Potenzial bezweifelte Hauptverbands-Generaldirektor Josef Kandlhofer und meinte, dass Einsparungen durch ein solches Modell von strukturellen Änderungen abhängen würden.

Qualität muss regelmäßig unter die Lupe

Trotz der hohen Zufriedenheit mit ihren Ärzten plädiert eine überwältigende Mehrheit von 89 Prozent für eine regelmäßige Qualitätskontrolle. Jeweils rund ein Drittel wünschen sich dafür ein unabhängiges Institut, die Ärztekammer oder das Gesundheitsministerium. Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) wollen auch eine öffentliche Datenbank über Ärzte, in der auch die Erfüllung von Qualitätskriterien aufscheinen soll. Kandlhofer erklärte dazu, dass ein Patientenportal zwar vereinbart sei, aber nicht wirklich in Gang komme, weil die Ärztekammer vor den Ärztekammer-Wahlen im Frühjahr sehr zurückhaltend sei.

Die E-Medikation halten jeweils gut 90 Prozent geeignet für die Information des Arztes, für eine bessere Abstimmung von Krankenhaus, Arzt und Apotheker sowie für die Sicherheit des Patienten. Kandlhofer liest daraus einen "sehr starken Auftrag" heraus, in diese Richtung weiter zu arbeiten. Der mit Ende des vergangenen Jahres abgelaufene Pilotversuch wird nun evaluiert und Hautpverbands-Chef Hans-Jörg Schelling erwartet, dass längstens bis Mitte des Jahres Ergebnisse vorliegen. (moe)

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