zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 11. Jänner 2012

Wahljahr 2012: Wie zeitgemäß sind Kammern?

Zwangsbeiträge und Zwangsmitgliedschaft sind vorrangige Attribute, die mit dem heimischen Kammersystem assoziiert werden. Und typisch österreichisch: Keiner will sie wirklich haben aber jeder davon profitieren.

Pro Jahr werden allein in der Wiener Ärztekammer 125 Mio. Euro bewegt, die sich überwiegend aus den Durchlaufposten im Wohlfahrtsfonds (60 Mio.) und der Sonderklasseverrechnungsstelle (50 Mio.) zusammensetzen, wo Geld eingenommen und wieder an Ärzte verteilt wird.

Dazu kommen noch ca. fünf Millionen für den Ärztefunkdienst und ca. zehn Mio. Euro Kammerumlage. Darüber hinaus verhandelt die Ärztekammer pro Jahr Honorare mit den Gebietskrankenkassen in der Höhe von ca. 450 Mio. Euro und Honorare mit Privatversicherungen in der Höhe von ca. 210 Mio. Euro. Eine Menge Geld für eine Institution, die immer wieder mit ihrem Image und der Frage nach der prinzipiellen Existenzberechtigung zu kämpfen hat.

 

Das Wesen der Kammern in Österreich und damit auch immer wieder ein zentraler Kritikpunkt sind die Pflichtmitgliedschaft und der verpflichtende Mitgliedsbeitrag. Beide stehen in Österreich sogar im Verfassungsrang und können daher nicht einmal vonseiten der EU so einfach in Frage gestellt werden.

Wer also Mitglied einer bestimmten Berufsgruppe ist – neben Ärzten sind das etwa auch Architekten, Apotheker, Rechtsanwälte oder Wirtschaftstreuhänder – zahlt Mitgliedsbeitrag und erhält dafür bestimmte Leistungen „seiner Kammer“. Dass diese Leistungen nicht immer ausreichend transparent oder für alle immer gleich nützlich sind, liegt in der Natur der Sache.

Im „Normalfall“ benötigt der Einzelne die Hilfe der Kammer nicht und hadert daher mit ihrer Notwendigkeit. Die staatlichen Aufgaben werden ebenso wie die Leistungen als Interessensvertretung als selbstverständlich angesehen.

 

loewit neu  Holzgruber_ 

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Wenn sich die Ärzte wieder ihrer Rolle bewusst sind, dann wird sich auch die Kammer danach orientieren".
Ohne das Selbstbewusstsein der Ärzte wird es auch keine selbstbewusste Vertretung geben.
Dr. Günther Loewit, Allgemeinmediziner, ehemals Kammerfunktionär
> Standpunkt lesen

Standpunkt 2
"Es liegt im Wesen der Politik, dass positive Leistungen selbstverständlich sind und man selten Lob erntet".
Wir glätten divergierende Interessen nach innen, um dann nach außen mit einer klaren, schlagkräftigen Position auftreten zu können.
Dr. Thomas Holzgruber, Kammeramtsdirektor Ärztekammer für Wien
> Standpunkt lesen

Von R. Haiden, Ärzte Woche 1/2 /2012

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben