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Dr. Günther Bernatzky, Leiter des Salzburger Schmerzinstituts
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Dr. Günther Bernatzky Leiter des Salzburger Schmerzinstituts

 
Gesundheitspolitik 16. April 2009

Erhebliche Verringerung der Dosis von Schmerzmitteln durch Placebos ist möglich.

Aktuelle Analysen zeigen, dass der Anteil von Placeboreaktionen bei verschiedenen akuten und chronischen Schmerzen sehr unterschiedlich ist. Bei Migräne ist etwa eine Schmerzfreiheit bei bis zu sieben Prozent der Patienten nachweisbar, eine Schmerzreduktion ist aber bei bis zu einem Drittel möglich. Zumindest „viel besser“ wird der Schmerz bei der Hälfte jener, die unter diabetischer Neuropathie leiden.

Widerlegt konnte inzwischen werden, dass nur Patienten mit bestimmten psychischen Eigenschaften oder psychiatrischen Erkrankungen auf Placebos reagieren.

Mit dem Einsatz von Placebos kann die zur Schmerzausschaltung nötige Dosis von Analgetika deutlich reduziert werden. Je weniger Patienten vom Placebo wissen, umso größer ist dessen Wirkung.

Entscheidend ist, dass der Patient vom Nutzen einer Behandlung überzeugt ist und wie sehr die vom Arzt oder in der Klinik vom Pflegepersonal unterstützt wird. Je stärker dies der Fall ist, umso höher der Placebo-Effekt. Auf dem Beipackzettel muss aus rechtlichen Gründen alles aufgelistet werden, was an Nebenwirkungen erdenklich ist. Aufgabe des Arztes ist auch, unbegründete Ängste zu nehmen – umso stärker können Placebo-Effekte genützt und Nocebo-Wirkungen vermieden werden. Eine ganz große Rolle spielt der Aufbau eines intensiven Vertrauensverhältnisses, in dem auch über reelle Heilungschancen geredet wird. Die Zuwendung kann körperliche Stressreaktionen reduzieren und so die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen.

So kann auch die Wirksamkeit „echter“ Schmerzmittel durch bewusstes Fördern des Placeboeffekts gesteigert werden. Auch Personen, die vor einer Operation besonders gut über diese aufgeklärt werden, haben geringere Schmerzen und brauchen weniger Medikamente nach der Operation.

Lesen Sie auch die Einführung zum Thema dieser Standpunkte:
Placebo: Aufklärung bleibt wichtig.

 

Lesen Sie zu diesem Thema auch diese Standpunkte:

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 16/2009

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