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Gesundheitspolitik 5. Dezember 2011

Sozialstaat Österreich: Wohlstand besser messen

Das BIP ist als Indikator für die soziale Lage eines Staates zu ungenau. Bei der Sozialstaatenquete diskutierten Experten in Wien neue Möglichkeiten und Mess-Faktoren.

Wie den Wohlstand messen?

Das war eine der zentralen Fragen der diesjährigen Sozialstaatsenquete. Denn zu Recht gibt es Kritik am gängigen Wohlstandsindikator Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Dieser ist ein Index der Marktproduktion und schließt sowohl die Produktion im Bereich der Privathaushalte aus, ignoriert Umweltschäden als auch den nicht nachhaltigen Ressourcenverbrauch. Darüber hinaus enthält das BIP keine Hinweise auf die Verteilung der Einkommen und ist damit nicht in der Lage, die Lebensbedingungen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen abzubilden.

Wohlstandsniveau vs. individuelles Empfinden

In Österreich steigt – wie in Europa – die Kluft zwischen dem Wohlstandniveau, definiert als Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und dem individuellen Empfinden der Menschen. Auch die Höhe der jährlichen Sozialausgaben in Relation zum Bruttoinlandsprodukt oder die Sozialleistungen pro Kopf lassen kaum Rückschlüsse auf die soziale Absicherung spezifischer Bevölkerungsgruppen und ihre materiellen und sozialen Teilhabechancen zu.

Der Leiter des österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung Prof. Karl Aiginger skizzierte deshalb die Notwendigkeit einer neuen Sicht- und Denkweise der wirtschaftlichen und vor allem der sozialen Entwicklung. Er betonte, dass sich insgesamt Einkommens- oder Konsumindikatoren besser zur Messung des Wohlstands eignen als Produktionsmaßzahlen, wie das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf.

"Better Life Index"

Das WIFO entwickelte den Arbeitsmarktindex, der die vielschichtigen Dimensionen der Erwerbschancen der Bevölkerung besser berücksichtigt als die Arbeitslosenquote alleine imstande ist.

Die neuesten Arbeiten der OECD auf dem Gebiet wurden von Conal Smith präsentiert. Er stellte den "Better Life Index" vor: Dabei handelt es sich um eine interaktive Plattform, bei der vorhandene Indikatoren (von Einkommen, Gesundheit, Wohnen, Bildung, Umwelt bis hin zu Vereinbarkeit von Beruf und Familie) mit einer individuellen Gewichtung nach subjektiven Gesichtspunkten der Anwender/innen zu einem synthetischen Index erstellt werden können).

Arbeit, Einkommen und öffentliche Dienste

Eine erste Einschätzung von alternativen Indikatoren des sozialen Fortschritts auf die europäische Politikentwicklung gab Prof. Fabien Zuleeg, der Chefökonom des "European Policy Centre" (EPC) in Brüssel. Seine Forschungsergebnisse zeigen die zentrale Bedeutung der Erwerbsarbeit (Integration in den Arbeitsmarkt und adäquate Einkommen) und die Wichtigkeit des freien Zugangs zu öffentlichen Diensten für die Lebensqualität der Bevölkerung.

Der Weg dahin führte über die Aufwertung der europäischen Beschäftigungsstrategie, gemeinsame europäische Standards, aber auch Verbesserung der Qualität und der Effizienz der öffentlichen Dienstleistungen. Das werfe allerdings Grundsatzfragen über Solidarität, Wachstum, Gerechtigkeit etc. auf, die verstärkt behandelt werden müssten.

Hauptverband der österr. Sozialversicherungsträger/AN

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