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Foto: Privat
Dr. Jürgen Wallner, Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht der Universität Wien und Mitglied des Ethikbeirats der Vinzenz Gruppe
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Dr. Jürgen Wallner Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht der Universität Wien und Mitglied des Ethikbeirats der Vinzenz Gruppe

 
Gesundheitspolitik 16. April 2009

Auch bei Placebo: vier ethische Grundprinzipien beachten.

Auch beim Einsatz von Placebos müsste das Prinzip des „informed consent“ als Handlungsgrundlage erhalten bleiben. Wenn ich also sage, dass ich ein bestimmtes Medikament gebe, das in Wahrheit aber ein Placebo ist, widerspricht dies dem ärztlichen Ethos. Dazu ein Vergleich zu klinischen Studien: Ein Grundprinzip ist dort ja die bewusste Zustimmung, sich also aufgrund ausführlicher Informationen darauf einzulassen, eventuell ein Teil der Placebo-Kontrollgruppe zu sein. In der Behandlungssituation würde dies wegfallen, was auch eine ethische Gratwanderung darstellt.

Auf jeden Fall zu berücksichtigen sind die vier ethischen Basisfragen. Wird die Autonomie des Patienten respektiert? Das bedeutet hier zumindest eine nachträgliche Information, jedenfalls aber ein Ernstnehmen des Patienten. Das Prinzip des „Nicht-Schadens“ ist bei Placebo kein Thema, wohl aber jenes des „Wohltuns“: Wenn ich als Arzt bewusst den Weg der Standardtherapie verlasse, enthalte ich diese damit dem Patienten vor. Das vierte Thema ist jenes der Gerechtigkeit – auch hier geht es um den Zugang zu Information und der bestmöglichen Versorgung.

Zusammengefasst geht es also um eine bewusste Planung und Vorbereitung der Vorgehensweise, inklusive der Nachbesprechung. Wobei es schon sein kann, dass trotzdem das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten einen Schaden nimmt – schließlich werden ja auch Informationen vorenthalten.

Natürlich ist insgesamt eine gründliche Aufklärung wichtig, in der es um einen Grenzgang geht – es soll Hoffnung gegeben werden, aber keine leeren Versprechungen, also nicht etwas, das nicht einzuhalten ist. Ein wichtiger Aspekt ist dabei sicher, die Eigenkompetenz und das Selbstvertrauen der Patienten zu stärken.

Lesen Sie auch die Einführung zum Thema dieser Standpunkte:
Placebo: Aufklärung bleibt wichtig.

 

Lesen Sie zu diesem Thema auch diese Standpunkte:

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 16/2009

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