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Foto: Privat
Susanne Fiala, Gründerin der „Selbsthilfegruppe Schmerz“
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Susanne Fiala Gründerin der „Selbsthilfegruppe Schmerz“

 
Gesundheitspolitik 16. April 2009

Patienten mit Schmerzen werden oft über lange Zeit nicht ernst genug genommen.

Ein Grundproblem vor allem vieler Menschen mit chronischen Schmerzen ist, dass sie sich vom Arzt oft nicht ernst genommen fühlen. Teilweise kommt es zu Aussagen wie: „So schlimm kann es doch nicht sein“ oder „Damit müssen Sie leben ...“ Bei Umfragen unter Schmerzpatienten zeigt sich zudem, dass diese nicht immer an Experten weiter überwiesen werden.

Placebos werden teilweise aus dem Grund eingesetzt, weil dem Arzt nichts Besseres mehr einfällt oder damit die drängenden Bitten des Patienten nach einem wirksamen Mittel zumindest für die nächste Zeit aufhören. Ich sehe so die Gefahr, dass Schmerzpatienten einmal mehr in ihrem Glauben an das Gesundheitssystem im Allgemeinen und die Wirksamkeit von Medikamenten im Speziellen enttäuscht werden.

Denn oft haben sie schon einen langen Weg hinter sich: Sie werden von einer Station zur nächsten geschickt, ohne dass dort wirklich auf sie eingegangen wird.

Ein wirkliches „Ernstnehmen“ würde bedeuten, den Weg des Patienten langfristig zu begleiten. Das beginnt damit, die Beschreibung von Symptomen ernst zu nehmen.

Und selbst wenn erste Labortests und Untersuchungen ergebnislos bleiben oder physiotherapeutische Interventionen nicht wirken: Für den Patienten ist wichtig, dass der Arzt weiterhin mit ihm mögliche Optionen bespricht und auch verschiedene Therapien versucht. Hilfreich kann hier der Verweis auf Selbsthilfegruppen sein, sowie auf psychosoziale und psychotherapeutische Begleitungsangebote.

Im Rahmen dieses ganzen Prozesses kann durchaus ein Placebo zum Einsatz kommen – aber nicht, um den Patienten nur ruhig zu stellen. Natürlich braucht es hinterher eine ausführliche Aufklärung des Patienten. Die Gefahr besteht, dass das Vertrauensverhältnis zum Arzt Schaden nehmen kann.

Lesen Sie auch die Einführung zum Thema dieser Standpunkte:
Placebo: Aufklärung bleibt wichtig.

 

Lesen Sie zu diesem Thema auch diese Standpunkte:

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 16/2009

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