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Gesundheitspolitik 29. November 2011

AKH: "Wir kämpfen bis die Politik uns finanziert"

Heute Vormittag fand die erste öffentliche Betriebsversammlung im AKH statt. Der AKH-Betriebsrat Thomas Szekeres, richtete einmal mehr einen eindringlichen Appell an die Verantwortlichen Politiker Wissenschaftsminister Karl Heinz Töchterle und Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely die Zukunft des AKHs finanziell zu sichern: "Wir kämpfen so lange, bis die Politik unser Haus finanziert."

"Wenn am Wochenende keine Bypässe operiert werden, wird die Warteliste noch länger und das bedeute ein "tödliches Risiko" für die Patienten. Weitere Maßnahmen des Betriebsrat werden besprochen. Wir wollen das nicht. Eigentlich wollen wir nur unsere Arbeit machen", sagte der Betriebsrat Wolf-Dieter Baumgartner im Gespräch mit derStandard.at.

Ärztekammer unterstützt die AKH-Ärzte

Ein Großteil der an Universitätskliniken wie dem AKH tätigen Ärzte sei dezidiert als Universitätslehrer angestellt oder in konkrete Forschungsprojekte eingebunden, meinte Walter Dorner während der Veranstaltung. "Diese Bereiche sollten eigentlich den Kern ihrer Arbeit darstellen", betonte der Ärztekammerpräsident. Der Klinikalltag sehe aber bekanntermaßen anders aus: "Die Praxis des Krankenhausbetriebs steht bereits jetzt dem entgegen: Ganze 16 Prozent der Universitätsärzte haben gar keine Zeit für Forschung und Entwicklung, obwohl dies Teil ihrer Dienstpflicht wäre. Wenn nun der Rotstift angesetzt wird, ist zu befürchten, dass noch weniger Zeit für Forschung verbleibt", skizzierte Dorner ein düsteres Zukunftsszenario.

Zukunft von Lehre und Forschung gefährdet

"Ich warne davor, dass die Folgen der Sparmaßnahmen sein könnten, dass Tausende Studenten in Zukunft suboptimal ausgebildet und unterrichtet werden." Er forderte die verantwortlichen Politiker, Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle und Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, sowie MUW-Rektor Wolfgang Schütz auf, sich mit Vertretern der Ärzteschaft zu einem runden Tisch zusammenzusetzen, um Lösungsvorschläge auszuarbeiten, damit der "unerträglichen Situation im Wiener AKH ein rasches Ende gesetzt werden kann".

Die angesprochene Gesundheitsstadträtin antwortete prompt in einer Presseausendung: "Für die Krankenbehandlung wird das gesamte ärztliche Personal im AKH Wien von der Medizinischen Universität Wien bereitgestellt, das ist der zentrale Passus im Vertrag zwischen der Stadt und der Medizinischen Universität Wien. Wissenschaftsminister Töchterle ist also vertraglich verpflichtet, die MedUni Wien mit dementsprechenden finanziellen Mitteln auszustatten. Darüber kann sich der Minister nicht hinwegdiskutieren", betonte Gesundheitsstadträtin. Auch sie sprach sich erneut für einen runden Tisch aus: "Doch jetzt sollte Töchterle nicht nur darüber reden, sondern auch die Einladung zu einem konkreten Termin erfolgen", so die Stadträtin abschließend.

Der Wissenschaftsminister zeigte laut derStandard.at Verständnis für die Nöte der AKH-Leitung. Nach dem Ministerrat erklärte er, dass mittlerweile 50 Prozent des Budgets für Patientenleistungen aufgewendet werden müssten, obwohl die Uni-Klinik grundsätzlich vor allem für Ausbildung und Forschung die Verantwortung trage. Töchterle will nun eine besser Koordinierung der Finanzierung des AKH.

Der Minister verwies darauf, dass das Wiener AKH die einzige Universitätsklinik in Österreich sei, bei der das gesamte ärztliche Personal vom Bund bezahlt werde, wo also das Land keinen Beitrag leisten müsse. Was Wien angeht, betonte Töchterle, dass man die Vereinbarung, die bis 2015 laufe, natürlich anerkenne. Konkret mehr Geld von der Bundeshauptstadt forderte der Wissenschaftsminister nicht.

Gesundheitsminister überlegt Gesetzesänderung

Unzufrieden mit der Einsparung von 14 Prozent der Journaldienste am Wiener AKH zeigte sich Gesundheitsminister Alois Stöger. Die Uni-Krankenanstalten hätten die Aufgabe, den Menschen auch entsprechend medizinisch zu versorgen, erklärte er vor dem Ministerrat. Gleichzeitig dachte Stöger gesetzliche Änderungen an, wie man die Versorgung besser garantieren könne. Zu diskutieren ist für ihn die Uni-Autonomie, wie sie im Jahr 2002 unter Schwarz-Blau beschlossen worden war. Was genau er hier ändern würde, sagte Stöger nicht.

Prominente Unterstützung

Auch prominente Patienten waren heute zur öffentlichen Betriebsversammlung geladen: Otto Schenk, Attila Dogudan und Freda Meissner-Blau zollten der hervorragenden Leistungen der AKH Ärzte ihren Tribut.

OTS/APA/WÄK/AN

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