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Foto: photos.com / Ärzte-Woche-Montage
 
Gesundheitspolitik 20. November 2011

Wird Schuldenmachen jetzt belohnt?

Die Tiroler Gebietskrankenkasse fühlt sich finanziell benachteiligt und verlangt vom Bundesminister einen neuen Verteilungsschlüssel für den Ausgleichsfonds.

In einem APA-Interview kritisiert der Obmann der Tiroler Gebietskrankenkasse, Michael Huber, Bundesminister Stöger vehement und fordert von ihm einen neuen finanziellen Verteilungsschlüssel für die Mittel aus dem Strukturausgleichsfonds beim Hauptverband.

Für Huber bedeutet der aktuelle Schlüssel von 45 (Strukturnachteile) + 45 (Liquiditätsschwäche) + 10 (sonstige Nachteile) eine Benachteiligung von schuldenfreien Kassen wie eben seiner Tiroler Kasse gegenüber nichtliquiden Kassen. Als Beispiele nennt er in diesem Zusammenhang explizit die Gebietskrankenkassen Wien, Steiermark und Kärnten, die derzeit 45 Prozent sämtlicher Mittel aus dem Fonds lukrieren würden. Das seien „immense Gelder“, die sie „nicht verdient“ hätten, findet der Tiroler Obmann, für den das „Schuldenmachen“ damit offenbar belohnt wird.

Die Wiener Kasse habe etwa in diesem Jahr 13 Millionen Euro erhalten, während „wir gleichzeitig sechs Millionen Euro weniger bekommen haben, weil wir keine Schulden machen“, zeigte sich Huber verärgert. Er fordert daher vom Gesundheitsminister, dass bei der Verteilung von Ausgleichsfondsgeldern die Strukturnachteile einer Kasse gegenüber den Liquiditätsnachteilen zukünftig mehr gewichtet werden. Huber definiert auch gleich einen konkreten Vorschlag: 70 Prozent Strukturnachteile, 30 Prozent Liquiditätsschwäche. 

Michael Huber, Obmann der Tiroler Gebietskrankenkasse Mag. Ingrid Reischl Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse Alois Stöger, Bundesminister für Gesundheit

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Der Strukturnachteil muss aus meiner Sicht höher bewertet werden als eine fehlende Liquidität."
Neuer Bewertungsschlüssel.
Michael Huber, Obmann der Tiroler Gebietskrankenkasse
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Standpunkt 2
"Es ist unbestritten, dass die Gesundheitskosten in einer Großstadt höher sind als in lädnlichen Gegenden."
Solidarität und Fairness.
Mag. Ingrid Reischl, Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse
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Standpunkt 3
"Der Strukturfonds dient einer zielorientierten Steuerung der Maßnahmen der Gebietskrankenkassen."
Im Interesse aller Versicherten.
Alois Stöger, Bundesminister für Gesundheit
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Von V. Weilguni, Ärzte Woche 46 /2011

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