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Gesundheitspolitik 9. November 2011

Patentverbot auf Stammzellen

Das Forschen mit embryonalen menschlichen Stammzellen bleibt zwar erlaubt, allerdings dürfen Ergebnisse nicht mehr patentiert werden.

Der deutsche Neurobiologe Oliver Brüstle von der Universität Bonn erhielt 1999 ein Europa-Patent auf ein Verfahren, mit dem er aus embryonalen menschlichen Stammzellen Hirnzellen gewonnen hatte. Dagegen klagte 2004 Greenpeace und bekam nun vom Europäischen Gerichtshof Recht. Laut EuGH-Urteil ist „ein Verfahren, das durch die Entnahme von Stammzellen, die aus einem menschlichen Embryo im Blastozystenstadium gewonnen werden, die Zerstörung des Embryos nach sich zieht“, von der Patentierung auszuschließen. Kritiker des Urteils wenden ein, dass für die Entnahme embryonaler Stammzellen in der Regel überzählige Embryos aus der künstlichen Befruchtung verwendet werden, die ohnehin entsorgt werden.

Aufgrund des fehlenden Patentschutzes könnte die Forschung aus Europa abwandern, in die USA oder nach Asien. Das könnte langfristig auch negative Auswirkungen für die Patienten in Europa haben. Greenpeace hingegen begrüßt das Urteil, weil es „klare Richtlinien bringt, an denen sich alle orientieren können“. Der Greenpeace-Patentexperte Christoph Then sieht auch keine weitreichenden Folgen aus dem Urteil für die medizinische Forschung, weil embryonale Stammzellen ohnehin bald ausgedient hätten und in der Forschung sukzessive durch Zellen ersetzt würden, die durch Verjüngung von Erwachsenenzellen gewonnen werden.

Prof. Dr. Dr. h. c. Ulrich H. J. Körtner Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin, Universität Wien  Dr. Christiane Druml Vorsitzende der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt Prof. Dr. Werner Linkesch Leiter der Klinischen Abteilung für Hämatologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin der MedUni Graz

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Die Gefahr der Resistenzbildung ist Ärzten bekannt, jedoch noch immer der Weg, um diese zu vermeiden."
Kein Ende der Debatte.
Prof. Dr. Dr. h. c. Ulrich H. J. Körtner, Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin, Universität Wien
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Standpunkt 2
"Die Verwendung befruchteter Eizellen sollte für hochrangige Forschungsvorhaben möglich sein."
Verlierer: Europäische Patienten
Dr. Christiane Druml, Vorsitzende der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt

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Standpunkt 3
"Eine klinische Anwendung der Methoden erscheint noch verfrüht zu sein."
Potenzial in regenerativer Medizin
Prof. Dr. Werner Linkesch, Leiter der Klinischen Abteilung für Hämatologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin der MedUni Graz
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Von V. Weilguni , Ärzte Woche 45 /2011

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