zur Navigation zum Inhalt
Foto: Wilke
DKS Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes
Foto: Wilke

DKS Ursula Frohner Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes

 
Gesundheitspolitik 8. April 2009

In Zukunft wird auch in Österreich der Handlungsbedarf steigen.

Solche Konzepte sind in Europa sehr davon abhängig, wie die Versorgung im niedergelassenen Bereich durch die Allgemeinmedizin ist. Hier gibt es bei uns in Österreich – derzeit – noch keinen Diskussionsbedarf. Generell kommt allerdings im niedergelassenen Bereich ein Problem auf uns zu, dem wir uns stellen müssen. Durch die demografische Entwicklung, Änderungen in der Familienstruktur und durch Entwicklungen im stationären Bereich entsteht hier in Zukunft Handlungsbedarf. Wir beobachten etwa schon jetzt, dass die Aufenthaltsdauer im Akutspital laufend sinkt. Damit werden immer öfter Menschen noch im rekonvaleszenten Zustand nach Hause entlassen, wo sie weitere pflegerische Betreuung benötigen. Weil sich aber eben die Alters- und Familienstrukturen in unserer Gesellschaft ändern, fallen viele Menschen zunehmend in ein Versorgungsloch.

Rein theoretisch gibt es in Österreich schon ein Konzept der Family Health Nurse, das hier gegensteuern kann. Das Rote Kreuz etwa bildet hier Leute aus, und auch gesetzlich sind eigenverantwortliches Handeln und mitverantwortliche Teile im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz bereits gut geregelt. Es gibt schon die Möglichkeit für Ärzte, Tätigkeiten an Pflegepersonal zu delegieren. Das wird etwa im klinischen Bereich auch schon so gelebt – bei Blutabnahmen, bei der Wundversorgung oder beim Blutdruckmessen. Im niedergelassenen Bereich stecken aber solche Modelle noch in den Kinderschuhen.

Einerseits gibt es bei uns noch nicht den Bedarf, andererseits fehlt auch schlicht das Personal. Schuld daran sind unregelmäßige Arbeitszeiten, geringe Familienfreundlichkeit, fehlende Entwicklungsmöglichkeiten und sicherlich auch die Bezahlung. Die Pflege hat zwar bei den Patienten ein gutes Image und auch in Umfragen unter der Bevölkerung. Das führt aber nicht dazu, dass viele Leute den Beruf ergreifen. Pflege ist deshalb weiter ein Mangelberuf. Zudem liegt die durchschnittliche Verweildauer im Beruf bei sechs bis acht Jahren.

Hier muss man deshalb zuerst das Berufsbild der Fachpflege schärfen und gleichzeitig auch klar regeln, wo es Verschiebungen zu Hilfsberufen geben kann.

Lesen Sie auch die Einführung zum Thema dieser Standpunkte:
Schwester Agnes erhitzt Gemüter

 

Lesen Sie zu diesem Thema auch diese Standpunkte:

Von Martin Rümmele, Ärzte Woche 15/2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben