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Gesundheitspolitik 2. November 2011

Frühpension im Visier

Die Zunahme an Anträgen auf Frühpensionierung aufgrund psychischer Erkrankungen lassen Missbrauchsvorwürfe laut werden. „In keinem Land werden so viele Anträge auf Invaliditätspension gestellt wie hier – drei Viertel aller, die ein Pensionsansuchen stellen, tun dies“, sagt Pensionsexperte Bernd Marin.

Auch wenn der Großteil der Anträge abgelehnt wird, laufen inzwischen 30 Prozent aller Pensionen unter dem Titel „Berufsunfähigkeit“. 40 Prozent davon werden mit psychischen Erkrankungen begründet. Angesichts dieser hohen Zahl will die ÖVP härtere Auflagen für „angeblich“ psychisch kranke Antragsteller. Dazu könnte nach Vorstellung der Regierungspartei etwa eine verpflichtende amtsärztliche Untersuchung zählen, um zu überprüfen, ob ein Führerschein, Jagdschein oder Waffenschein im Sinne einer potenziellen Gefährdung Dritter noch zu verantworten ist.

Außerdem sollte statt der befristeten Berufsunfähigkeit ein Sonderkrankengeld geschaffen werden. Damit könnte man, so die ÖVP, den Betroffenen signalisieren, dass es dem Staat um Rehabilitation vor Pension gehe. Kritiker warnen vor dem Schrei nach Sanktionen gegenüber Betroffenen und sehen darin einen Scheinangriff auf die schwächsten Glieder in der Kette. Um die Zahl der Antragsteller tatsächlich nachhaltig zu senken, müsse vielmehr an der Wurzel des Problems angesetzt werden, bei den belastenden Arbeitsbedingungen und den vielerorts fehlenden präventiv wirksamen Unterstützungsangeboten, gerade und vor allem im psychologischen und psychotherapeutischen Bereich.

Karlheinz Kopf Abgeordneter zum Nationalrat, Obmann des ÖVP-Klubs  Prof. Dr. Jasminka Godnic-Cvar Leiterin des Instituts für Arbeitsmedizin der MedUni Wien  Prof. Dr. Kurt Grünewald Gesundheits- und Wissenschaftssprecher der Grünen

Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Ziel muss die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt sein, daher die Pflicht zur Reha."
I-Pension als Ultima Ratio
Karlheinz Kopf, Abgeordneter zum Nationalrat, Obmann des ÖVP-Klubs.
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Standpunkt 2
"Die Arbeitswelt muss so gestaltet sein, dass psychische Belastungen vermindert werden."
Prävention und Frühintervention
Prof. Dr. Jasminka Godnic-Cvar, Leiterin des Instituts für Arbeitsmedizin der MedUni Wien.
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Standpunkt 3
"Die Zunahme psychischer Erkrankungen mit Sozialbetrug in Verbindung zu bringen ist geschmacklos."
Diskriminierung: Erfolgsrezept?
Prof. Dr. Kurt Grünewald, Gesundheits- und Wissenschaftssprecher der Grünen
> Standpunkt lesen

 

Von V. Weilguni, Ärzte Woche 44 /2011

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