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Gesundheitspolitik 27. Oktober 2011

Gegen das Hausarztsterben

Die systematische Abwertung des Hausarztberufes seitens der Gesundheitsreformer könnte, nach Ansicht des Hausärzteverbandes dramatische Konsequenzen haben. "Die Aufwertung des Hausarztes in Österreich bleibt ein leeres Versprechen der Verantwortungsträger. Hausarztmodelle werden bewusst torpediert", betont Dr. Wolfgang Geppert, Vizepräsident des Österreichischen Hausärzteverbandes.

Bürokratie und Fremdbestimmung

Zusätzlich drohe die Allgemeinmedizin in einem Dickicht von überbordender Bürokratie und Fremdbestimmung unterzugehen. Fatale Folge: Nachfolger für frei werdende Hausarztpraxen müssen gesucht werden wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Nichts davon passiere unabsichtlich, ist Geppert überzeugt: "Wir alle sind Zeugen einer langsamen, aber sicheren Vertreibung der Hausärztinnen und Hausärzte aus ihrer Praxis." 

Primary Health Care

Gesundheitsökonom Dr. Ernest Pichlbauer stellt dieser Entwicklung "Primary Health Care" gegenüber. Die koordinierte wohnortnahe Lösung von Gesundheitsproblemen. Ein solches System müsse nicht nur Ärzte, sondern auch Pfleger, Therapeuten und Sozialarbeiter umfassen und von der Prävention bis zu Rehabilitation und Pflege reichen.

Voraussetzungen wären freilich, so Pichlbauer, Kontinuität und eine Bedarfsprüfung, die mehr als „politisches Gemauschel“ sein müsse. Gesundheitsökonomisch sinnvoll sei ein Anteil der Hausärzte von 50 Prozent an der Gesamtärzteschaft. In Österreich läge man zur Zeit jedoch nicht einmal bei 20 Prozent, Tendenz weiter fallend.

Aktuelle Situation

Der durchschnittliche österreichische Hausarzt hat heute rund 900 direkte Patientenkontakte im Monat, in denen rund 1.300 Beratungsergebnisse erzielt werden, wie Allgemeinmediziner Dr. Dietmar Kleinbichler in einer breit angelegten Studie erfasste.

Neun von zehn Erkrankungen werden direkt vom Hausarzt behandelt. Im Mittelpunkt stehen dabei, so die Kleinbichler-Studie, heute immer mehr Fälle von Hypertonie und Diabetes.  

Diskussionsabend "Der Hausarzt muss weg"
Dienstag, 15. November, 19 Uhr
ORF-Funkhaus, Studio 3, Argentinierstraße 30a, 1040 Wien  

Referenten                

Prof. DI Ernst Gehmacher                    
Lektor an der TU Wien, langjähriger Geschäftsführer des Marktforschungsinstitutes IFES, wissenschaftlicher Leiter der Paul Lazarsfeldgesellschaft, Autor zahlreicher Publikationen

Dr. Ernest Pichlbauer
Gesundheitsökonom und Forscher für Gesundheitsversorgung

Dr. Dietmar Kleinbichler
Allgemeinmediziner 

Hausärzteverband/AN, springermedizin.at

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