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Gesundheitspolitik 27. Oktober 2011

Ärzte präsentieren Ergebnisse der Schmerz-Petition

1.391 Ärzte fordern mit ihrer Unterschrift ein breiteres Therapieangebot und dass zur Behandlung von starken Schmerzen zugelassene Präparate auch in die Erstattung der österreichischen Sozialversicherung aufgenommen werden. Dadurch sollen Schmerzen gelindert und Belastungen für die Volkswirtschaft durch Krankenstand, Invalidität und Berufsunfähigkeit minimiert werden.

Anlass ist die Tatsache, dass der Zugang zu innovativen medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapieformen in Österreich erschwert ist. Allein in den letzten Jahren wurden beispielsweise sieben neue Medikamente – zugelassen zur Behandlung von starken Schmerzen – nicht in den Erstattungskodex (EKO) aufgenommen.

Beweggründe der Ärzte

"Diese Medikamente sind aber in anderen, mit Österreich vergleichbaren EU-Ländern, zur Behandlung chronischer Schmerzen auf Kassenkosten verschreibbar. Das muss zum Wohl der Patienten geändert werden", erklärt Prof. Dr. Herbert Watzke, Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft (OPG) die Beweggründe der Unterschriftenaktion und ergänzt: "Erfolgreiche Schmerztherapie impliziert eine ‚multimodale’ Vorgehensweise. Um Patienten auch in Zukunft State-of-the-Art behandeln zu können, ist eine Änderung der Rahmenbedingungen erforderlich, wofür wir uns mit unseren Unterschriften einsetzen."

Knapp 1400 Unterschriften in nur vier Wochen

Die sogenannten „high-end“-Präparate fehlen in Österreich im klinischen Behandlungsrepertoire. Therapieempfehlungen medizinischer Fachgesellschaften müssen von der Sozialversicherung berücksichtigt werden. Österreich darf hier nicht hinter alle EUStandards zurückfallen. Das bestätigt auch das Ergebnis der Ärzte-Schmerz-Petition“, verdeutlicht.

"In einem Zeitraum von nur vier Wochen bestätigten insgesamt 1.391 Ärztinnen und Ärzte, dass zusätzliche innovative Schmerztherapeutika zur Behandlung von chronischen Schmerzen notwendig sind und dass Therapieempfehlungen medizinischer Fachgesellschaften von der Sozialversicherung berücksichtigt werden müssen," so Dr. Sibylle Kozek-Langenecker, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI).

Umdenken im Gesundheitssystem notwendig

Anfang Oktober 2011 wurde die Schmerz-Petition an den Hauptverbandsvorsitzenden Dr.Hans Jörg Schelling übergeben. Es wurde vereinbart, eine gemeinsame Task-Force ins Leben zu rufen. "In den nächsten Monaten wollen wir die Dringlichkeit der Situation klar machen", so Kozek-Langenecker.

Volkswirtschaftliche Folgen unterbewertet

Wenn junge Patienten im arbeitsfähigen Alter betroffen sind, leidet auch die Volkswirtschaft darunter. Rund 15 Arbeitstage gehen pro Jahr durch Schmerzen verloren. Eine Umfrage zeigt, dass rund 20 Prozent der Befragten über Jobverlust aufgrund von Schmerzen klagen, gleichzeitig wird bei 21 Prozent eine Depression diagnostiziert(1).

"Immer mehr Österreicher sind von Schmerzen betroffen. Besonders 40 bis 50-Jährige schlittern oft krankheitsbedingt in die Berufsunfähigkeits- oder Frühpension. Fehlzeiten aufgrund von häufigen Arztbesuchen, lange Krankenstände, Berufsunfähigkeit und Frühpension belasten die Volkswirtschaft", bestätigt Prof. Dr. Wilfried Ilias, Österreichische Ärztekammer und past Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG).

"Aktuelle Umfragen zeigen, dass rund 33 Prozent aufgrund von chronischen Schmerzen berufsunfähig und 21 Prozent aufgrund von chronischen Schmerzen in Frühpension sind.(2) Natürlich spielt auch die demografische Entwicklung – die steigende Lebenserwartung – eine große Rolle." Deshalb gehe es bei der Schmerztherapie nicht nur um die Medikamentenkosten, die die Sozialversicherung übernehmen muss, sondern vor allem die hohen indirekten Kosten, würden Bund und Länder treffen. 

 

(1) Breivik H, Collet B et al. Survey of chronic pain in Europe: prevalence, impact on daily life, and treatment.Eur J Pain 2006; 10:287-333(2) Stein et al.: Schmerzpatienten und ihre Erwartungen an die ärztliche Versorgung ; Ergebnisse aus dem österr. Schmerzbericht ; Der Schmerz (Sonderdruck) Springer Medizin  

 Ärzte-Schmerz Petition 2011

• Österreichische Schmerzgesellschaft (ÖSG)
• Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI)
• Österreichische Palliativ-Gesellschaft (OPG)
• Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP)

Hintergrund

• Österreich ist in der Schmerzversorgung schlechter als vergleichbare EU-Länder
• erschwerter Zugang zu Schmerzpräparaten
• bei 7 Präparaten wurde in den letzten Jahre die Aufnahme in den Erstattungskodex (EKO) abgelehnt

Anliegen der Ärzte

• Erfolgreiche Schmerzbehandlung braucht Therapievielfalt • Aufnahmen von „zur Behandlung von starken Schmerzen“ zugelassenen Präparaten in den EKO

Teilnehmer

• Ärzte aus ganz Österreich, die täglich chronische Schmerzpatienten behandeln
• Teilnehmer kommen aus dem intra- und extramuralen Bereich

Ergebnis

• Rund 1.400 Unterschriften in 4 Wochen (August 2011)

Presse Welldone/AN

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