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Foto: photos.com / Ärzte-Woche-Montage
 
Gesundheitspolitik 29. Oktober 2011

Standpunkte: Zu sorgloser Umgang mit Antibiotika?

Die europäische Politik fordert einen dringenden Strategiewechsel hin zu einem gemäßigteren Einsatz von Antibiotika.

Antibiotika bilden 60 Jahre nach ihrer Entdeckung die weltweit am häufigsten verschriebene Medikamentengruppe. Anlässlich des diesjährigen Antibiotikatages warnen Experten einmal mehr vor einem zu häufigen Einsatz bzw. der oft unkritischen Verschreibung von Antibiotika durch Ärzte. Als Gründe dafür werden zum einen fehlendes medizinisches Wissen über mögliche Langzeitschäden bzw. über die therapeutischen Möglichkeiten, solche Schäden zu vermeiden, und zum anderen ein immer stärker werdender Druck seitens der Patienten gesehen. Diese verlangen nach Antibiotika, um Krankheitsverläufe möglichst kurz zu halten, da sie selbst einem zunehmenden ökonomischen Druck ausgesetzt sind.

Die argumentative Auseinandersetzung mit solchen Forderungen ist für behandelnde Ärzte in der Regel mühsamer und zeitaufwändiger als das Verschreiben, andererseits aber notwendiger denn je, sagen Gesundheitspolitiker. Allein in den EU-Ländern sterben jährlich 25.000 Menschen durch Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien. Außerhalb der EU sei die Lage „noch schlimmer“, ist WHO-Chefin Zsuzsanna Jakab überzeugt, weil es in vielen Ländern keine regulierte Anwendung antibiotischer Medikamente gebe. Jakab warnt: „Wir sind an einem kritischen Punkt angelangt, weil die Resistenz gegen vorhandene Antibiotika beispiellose Ausmaße erreicht hat und neue Antibiotika nicht schnell genug bereitgestellt werden können.“

Prof. Dr. Florian Thalhammer Klinische Abteilung für Infektionen & Tropenmedizin, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, MedUni Wien  Mag. Karin Kadenbach SPÖ-Europaabgeordnete, Mitglied im Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit  Mag. Berthold Cvach Geschäftsführer der Astellas Pharma Ges.m.b.H.

Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Informationsbedarf gegeben"
Die Gefahr der Resistenzbildung ist Ärzten bekannt, jedoch nicht immer der Weg, um diese zu vermeiden.
Prof. Dr. Florian Thalhammer, Klinische Abteilung für Infektionen & Tropenmedizin, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, MedUni Wien
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Standpunkt 2
"Einsatz mit Köpfchen"
Gedankenloser Einsatz von Antiobiotika schädigt die Gesundheit und belastet die Krankenkassen.
Mag. Karin Kadenbach, SPÖ-Europaabgeordnete, Mitglied im Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit
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Standpunkt 3
"Rückläufiger Trend"
Österreichs Ärzte sind bei der Verschreibung verantwortungsbewusst und eher zurückhaltend.
Mag. Berthold Cvach, Geschäftsführer der Astellas Pharma Ges.m.b.H.
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Von V. Weilguni, Ärzte Woche 43 /2011

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