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Gesundheitspolitik 23. Oktober 2011

Familie und Karriere? Der Arzt im Wandel

Die gesellschaftlichen Veränderungen, die Einstellungen zum Beruf oder einfach der Arbeitaufwand der Ärzte: Die Perspektive, dass ein niedergelassener Arzt das ganz Jahr und rund um die Uhr für die Patientenversorgung zur Verfügung steht und die Familie sich dem beugen muss, gehört inzwischen der Vergangenheit an.

Drei Viertel im Gesundheitswesen Frauen

Die These, wonach die Medizin zunehmend weiblicher, kooperativer und kommunikativer wird, stimmten die Teilnehmer beim 10. Europäischen Gesundheitskongress in München zu. In Österreich seien mehr als drei Viertel der Beschäftigten im Gesundheitswesen Frauen, berichtete der österreichische Bundesgesundheitsminister Alois Stöger. Diese Arbeitsplätze, die sehr dezentralisiert seien, hätten fast durchweg eine höhere Qualifikation als Frauenarbeitsplätze in anderen Branchen.

In der Regel gebe es in Österreich in jedem Ort mit mehr als 2000 Einwohnern mindestens eine Arztpraxis, in denen im Durchschnitt zwischen vier bis sieben Mitarbeiterinnen beschäftigt sind, erläuterte Stöger. Ein wichtiger Aspekt dabei sei, dass diese Arbeitsplätze auch in der Wirtschaftskrise stabil blieben, während alle anderen Branchen Einbrüche zu verzeichnen hatten. "Das Gesundheitswesen stabilisiert die wirtschaftliche Situation des Landes", sagte Stöger.

Immer schlechtere Bedingungen

Sie könne das Schlagwort von der "Feminisierung der Medizin" nicht mehr hören, erklärte hingegen Dr. Ilka Enger, zweite stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Denn dahinter stehe der unausgesprochene Vorwurf, dass Frauen in der Medizin auch ein Grund dafür sind, dass es einen Ärztemangel gibt.

In Wirklichkeit müsse man sich jedoch die Frage stellen, ob nicht vor allem deshalb mehr Frauen Medizin studieren, weil die Bedingungen des Arztberufs schlechter geworden sind und der Beruf wegen der fehlenden finanziellen Sicherheit für Männer nicht mehr interessant genug ist, erklärte Enger.

Gefragt sind Teamplayer

Die jüngere Generation wolle den Beruf als Arzt überwiegend nicht mehr als Einzelkämpfer, sondern als Teamplayer ausüben, meinte Georg Heßbrügge von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank. Für Viele seien - unabhängig vom Geschlecht – die Planbarkeit des Einkommens und der Honorarentwicklung sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu wichtigen Fragen geworden.

Veränderte Arbeitswelt

Fazit: Die Veränderungen in der Arbeitswelt seien allerdings kein spezifisches Thema von Ärztinnen. Die Work-Life-Balance, also der Ausgleich zwischen verschiedenen Zielen, die man im Leben, im Beruf und mit der Familie erreichen möchte, spiele heute bei Männern und Frauen generell eine wesentliche Rolle, hieß es bei der Diskussionsveranstaltung.

springermedizin.de/sto, springermedizin.at

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