zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 22. Oktober 2011

Kinderpschiatrische Kassenstellen: Hauptverband blockiert Bundeslösung

In den gerade abgeschlossenen Honorarverhandlungen mit der NÖ Gebietskrankenkasse konnte eine langjährige Forderung der niedergelassenen Ärzte umgesetzt werden: Künftig wird es über ganz Niederösterreich verteilt fünf Kassenplanstellen für Kinder- und Jugendpsychiatrie geben. Die bestehenden Ordinationen in Purkersdorf und Mödling werden bestehen bleiben, dazu kommen Ordinationen in den Ballungszentren Sankt Pölten und Wiener Neustadt sowie dem nördlichen Waldviertel, einer ohnehin strukturschwachen Region.

NÖ nur ein "erster Schritt"

"Die fünf Planstellen für Niederösterreich sind hier ein erster, wichtiger Schritt", so die Kinder- und Jugendpsychiaterin, Dr. Charlotte Hartl. Sie kämpft seit Jahren für eine niederschwellige Versorgung der jungen Patienten: "Was wir brauchen ist eine mehrstufige Versorgung, wobei die Basisversorgung unbedingt über die Fachärzte im niedergelassenen Bereich erfolgen muss." 

Österreich sei in der Behandlung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher von internationalen Standards noch immer weit entfernt. Alleine in Niederösterreich gehe man von 30.000 beratungs- und behandlungswürdigen Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren aus, erklärt die Fachärztin.

Evaluierung des Pilotprojektes

Dr. Charlotte Hartl und Dr. Sabine Fiala-Preinsperger sind jene beiden Fachärztinnen, die seit Anfang 2007 in den Ordinationen in Mödling und Purkersdorf psychisch kranke Kinder und Jugendliche behandeln. Die Geschlechterverteilung liegt bei 66 Prozent Burschen und 34 Prozent Mädchen. Eine erste begleitende Teilevaluierung ihres Projekts liegt nun vor.

Die Zahlen sprechen für sich

  • 611 Eltern wurden befragt, 90 Prozent der Eltern gaben an, dass sich der Gesundheitszustand ihrer Kinder durch die Behandlung deutlich verbessert habe, 83 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen über 10 Jahre kamen zu dieser Einschätzung.
  • Eine Leistungssteigerung auch in Kindergarten und Schule wurde von 77 Prozent der Eltern festgestellt, 73 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen kamen zu dieser Einschätzung.

Stabilisierung der Gefühlswelt

In der Ordination werden die Kinder und Jugendlichen untersucht und ein individueller Behandlungsplan für sie erstellt, die Behandlung selbst ist mehrstufig: Die Behandlung soll vor allem die Welt der Gefühle der Kinder wieder stabilisieren und die Beschwerden minimieren. Besonders wichtig ist die Arbeit mit den Eltern, auch unter Einbeziehung von Schule oder Kindergarten. "Die meisten Eltern kommen bereits völlig erschöpft in unsere Ordination, weil das Bewusstsein für die Krankheit ihrer Kinder fehlt und sie den Krankheitsbeschwerden ihrer Kinder hilflos gegenüber stehen", erklärt Dr. Fiala-Preinsperger.

Hauptverband blockiert österreichweite Erfolge

"Wir brauchen eine Basisversorgung durch Fachärzte im niedergelassenen Bereich – in Niederösterreich wie bundesweit. In vielen Bundesländern haben wir keine ausreichende Zahl von Fachabteilungen, spezielle Versorgungseinrichtungen für Kinder mit besonderen Krankheitsbildern, wie Essstörungen oder Kinder mit Rehabilitationsbedarf fehlen bundesweit zur Gänze. Obwohl sich die Versicherung für Eisenbahn und Bergbau als erste Sozialversicherung für eine Versorgung ihrer kinder- und jugendpsychiatrischen Patienten ausgesprochen hat, wird dieser Vertrag jetzt im Hauptverband blockiert", so Dr. Schlögel. Der Hauptverband müsse hier endlich seine Blockade-Haltung aufgeben und eine bundesweite, professionelle Basisversorgung ermöglichen. -

ÄKNÖ/AN

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben