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Gesundheitspolitik 21. Oktober 2011

"Besorgniserregend", der Fehlzeitenreport 2011

Jeder dritte Neuzugang in die Pension erfolgt aufgrund der Invaliditätspension. 

Der vierte österreichische Fehlzeitenreport wurde Donnerstagabend präsentiert. "32 Prozent aller Neuzugänge bei den krankheitsbedingten Frühpensionierungen erfolgen mittlerweile aus psychischen Gründen", sagte Alice Kundtner, Direktor-Stellvertreterin der Arbeiterkammer Wien, im Zusammenhang mit den Ergebnissen des aktuellen Reports.

Besorgniserregende Entwicklung

"Im Jahr 2004 lag der Anteil noch bei 24 Prozent. Aufgrund dieser besorgniserregenden Entwicklung muss so frühzeitig wie möglich mit Maßnahmen der gesundheitlichen Rehabilitation begonnen werden um betroffene Personen eine Spirale von Krankheit, Angst um den Arbeitsplatz und letztlich Arbeitslosigkeit zu ersparen."

Problemfeld Invaliditätspension

Ein Drittel aller Pensionsantritte – also circa 30.000 Personen pro Jahrgang - geht auf gesundheitliche Gründe zurück, daraus resultieren Zahlungen in der Höhe von fast 3 Milliarden Euro. Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit in der WKÖ, verwies auf den Zusammenhang zwischen ökonomische Aspekten und der Inanspruchnahme der Invaliditätspension: "Je schlechter die Beschäftigungssituation und die Arbeitsmarktperspektiven und je geringer die finanziellen Einbußen desto geringer sind − bei gegebenem Gesundheitszustand − die Kosten eines Austritts aus dem Erwerbsleben." Daher müssen die sozialrechtlichen Rahmenbedingungen der Invaliditätspension geändert werden, um den Zustrom der Arbeitskräfte einzudämmen.

"Der Fehlzeitenreport zeigt, dass der Arbeitswelt im Gesamtkonzept der Gesundheitspolitik eine wichtige Rolle zukommt. Ziel der Sozialversicherung für die nächsten Jahre ist es, die betriebliche Gesundheitsförderung systematisch und breit umzusetzen ", so Probst.

Weniger Arbeitsunfälle

AUVA-Obfrau Renate Römer unterstrich: „Erfreulicherweise konnte auch 2010 bei den Arbeitsunfällen ein rückläufiger Trend verzeichnet werden. Darüber hinaus ist für uns die Reduktion gesundheitsbedingter Frühpensionen ein wichtiges Anliegen, dem wir zum Beispiel mit unserem Engagement bei fit2work Rechnung tragen."

Lange Krankenstände und Frühpensionierung

"Lange Krankenstandsepisoden wie Fehlzeiten von mehr als sechs Wochen sind sehr aussagekräftige Vorlaufindikatoren eines Übergangs in die Invaliditätspension. Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen auch, dass im Falle einer Überlagerung von gesundheitlichen Problemen und Arbeitslosigkeit die Wahrscheinlichkeit eines Übertritts in die Invaliditätspension besonders hoch ausfällt", erklärt Studienautor und WIFO-Experte Thomas Leoni die Studienergebnisse.

"Strategien zur Reduktion des Invaliditätsrisikos sollten demnach nicht nur frühzeitig greifen, sondern auch einen Mix an Maßnahmen vorsehen, der neben der gesundheitlichen Situation der Arbeitskräfte auch ihre Beschäftigungssituation und ihr Arbeitsumfeld anspricht."

PVA für psychische Rehabilitation

"Der Fehlzeitenreport 2011 zeigt eindeutig die starke Zunahme von psychischen Erkrankungen. Die PVA verstärkt schon seit längeren ihren Einsatz im Bereich der psychischen Rehabilitation und hat als erster PV-Träger seit einem Jahr in Wien ein Pilotprojekt zur ambulanten psychischen Rehabilitation", so der Obmann der Pensionsversicherungsanstalt Manfred Felix. "Die PVA setzt immer mehr Schwerpunkte bzw. ist an Projekten beteiligt um die Anzahl der Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspensionen zu senken."

Sowohl der Fehlzeitenreport 2011 als auch die Präsentation sind unter www.hauptverband.at/fokoop downloadbar.  

 Fehlzeitenreport 2011

Der jährlich erscheinende Report ist eine Kooperation zwischen Wirtschaftskammer Österreich,  Arbeiterkammer Wien, dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt und der Pensionsversicherungsanstalt und gibt einen breiten Überblick über das aktuelle Krankenstandgeschehen in Österreich.

Die unselbständig Beschäftigten waren in Österreich im Jahresverlauf 2010 durchschnittlich 12,9 Tage im Krankenstand, dieser Wert entspricht einer Krankenstandsquote von 3,5%.

Erstmals lag die Quote der Männer mit 3,5% geringfügig unter jener der Frauen mit 3,6%.

Den Schwerpunkt des Berichts bildet eine Untersuchung des Zusammenhangs zwischen dem Krankenstandsgeschehen und dem krankheitsbedingten frühzeitigen Austritt aus dem Erwerbsleben.

Presse Hauptverband der österr. Sozialversicherungsträger/AN

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