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Gesundheitspolitik 18. Oktober 2011

Volkswirtschaft und Medizin

Typische „Lebensstil“-Erkrankungen kosten westlichen Ländern viel Geld. Präventive Maßnahmen werden trotzdem kaum gefördert.

Eine von der Weltbank groß präsentierte Studie belegt, was jeder im Kleinen schon längst weiß: Prävention lohnt sich langfristig. Während des European Health Forums in Gastein wurde diskutiert, warum es politisch trotzdem so schwierig ist, präventive Maßnahmen zu fördern.

Der kontinuierliche Anstieg der sogenannten „nichtübertragbaren Krankheiten“, wie Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen oder chronische Lungenbeschwerden, kann für Volkswirtschaften ruinös sein.

In den USA beispielsweise verursachten sieben nichtübertragbare Krankheiten in einem Jahr mehr als eine Billion US-Dollar an volkswirtschaftlichen Kosten, vorwiegend aufgrund von Produktivitätsverlust – „nur“ 300 Milliarden davon gingen auf das Konto von direkten Therapiekosten.

Herz-Kreislauferkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen, Diabetes und Krebs machen in den 53 Ländern der WHO-Region Europa 77 Prozent der Krankheitslast aus und sind die Ursache für 86 Prozent aller Todesfälle. Aber nicht nur in den reichen Ländern, auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern gewinnt die Gruppe der sogenannten „Zivilisationskrankheiten“ enorm an Bedeutung, weltweit sind sie für 63 Prozent der 57 Millionen weltweiten Todesfälle verantwortlich, wie der Global Status Report der WHO zeigt.

Zeit zu handeln

Wirksame Präventionsmaßnahmen seien nicht nur nötig, sondern hätten längst auch ihren ökonomischen Nutzen bewiesen, beschrieb Dr. Fidler eine aktuelle Untersuchung zum belegten Return of Investment von zielgerichteter Prävention: „Eine Studie der Weltbank hat den Kosten-Nutzen-Effekt von Lebensstil-Interventionen bei Menschen mit hohem Diabetesrisiko aufgezeigt. Wird ein Präventionspaket mit Fokus auf Ernährungsberatung und Bewegung angeboten, kann in einem Niedriglohnland jeder so investierte Dollar mindestens zwei Dollar an Behandlungskosten einsparen. Bei Ländern mit mittleren Einkommen liegt die Ersparnis sogar bei über drei Dollar. Maßgeschneiderte Prävention rechnet sich eindeutig auch ökonomisch.“

Gesetzlichen Rahmen schaffen

Prävention sei aber keineswegs, wie oft missverstanden, auf Gesundheitsaufklärung und Appelle für einen gesünderen Lebensstil beschränkt, betonte Dr. Fidler. „Maßnahmen gehen über die typischen Aufgabenbereiche von Gesundheitsministerien hinaus und müssen auch den gesetzlichen und strukturellen Rahmen schaffen, sie brauchen daher ein konzertiertes Vorgehen aller Politikbereiche. Das ist eine typische Querschnittmaterie – von der Besteuerung von Alkohol, Tabak und vielleicht sogar ungesunden Lebensmitteln über gesetzliche Verbote bestimmter gesundheitsschädlicher Substanzen oder Maßnahmen des Umweltschutzes und der Verkehrspolitik bis hin zu freiwilligen Verpflichtungen bestimmter Industriesektoren. Diese wichtigen Gesundheitsziele lassen sich nur erreichen, wenn alle Sektoren zusammenarbeiten, der Gesundheitssektor allein kann das nicht umsetzen.“

Erst kürzlich haben Experten/-innen in einem in Lancet veröffentlichten Artikel Präventionsmaßnahmen nach Kosten-Nutzen-Relation, Wirksamkeit und Machbarkeit bewertet und einige Top-Prioritäten empfohlen: Verstärkte Tabak-Kontrolle, Salzreduktion, die Förderung von gesunder Ernährung und Bewegung und die Reduktion von Alkoholmissbrauch. „Konzertierte Anstrengungen in all diesen Bereichen könnten die gesellschaftlichen Kosten der nichtübertragbaren Krankheiten mindestens halbieren“, so Dr. Fidler. B&K/AN

www.ehfg.org

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