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Gesundheitspolitik 21. Oktober 2011

Standpunkte: Effiziente Kontrolle oder Terror-Methode?

Unter Wiens niedergelassenen Ärzten rumort es. Grund für die Unmutsäußerungen, die in ihrer Diktion ungewohnt heftig ausfallen, ist das umstrittene Vorgehen der Wiener Gebietskrankenkasse beim Versuch, finanziellen Missbrauch durch ihre Vertragsärzte zu bekämpfen.

Vor etwas mehr als zwei Jahren hat die Wiener Gebietskrankenkasse ein „Team MEP“ installiert, wobei MEP für Missbrauch-Entdecken-Prävention steht. Das Team verfolgt das Ziel, Betrugsfälle aufzudecken und entsprechenden Schadensersatz einzufordern. Das Ziel an sich wird auch von den Ärzten als durchaus legitim angesehen. An den angewandten Methoden scheiden sich allerdings die Geister. Die Gebietskrankenkasse spricht von einer wichtigen Kontrollfunktion, die ausschließlich bei fundierten Verdachtsmomenten zum Einsatz kommt, und wehrt sich gegen den Vorwurf von willkürlichen Schikanen. Die Ärzte kritisieren vor allem die Tatsache, dass bei Verdachtsfällen nicht zuerst mit den Medizinern selbst, sondern mit deren Patienten Kontakt aufgenommen wird.

In ihrem jüngsten Online-Newsletter schreibt die Kurie der niedergelassenen Ärzte in der Wiener Ärztekammer: „Diese Vorgehensweise ist als äußert unseriös und massiv rufschädigend einzuschätzen und stellt für uns nicht die Art und Weise dar, wie ein vertragspartnerschaftliches Miteinander funktionieren soll.“ Weil darüber hinaus auch die Seriosität bei der Berechnung der „angeblichen Schadenssumme“ angezweifelt wird, empfiehlt die Ärztevertretung Betroffenen, einen Anwalt einzuschalten. Auch unabhängige Experten des Gesundheitssystems betrachten das Vorgehen der Krankenkasse als problematisch, weil es das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient belasten könne.

MR Dr. Norbert Jachimowicz Stellvertretender Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte der Ärztekammer für Wien  Mag. Andreas Obermaier Direktor der Wiener Gebietskrankenkasse, Leiter des Verwaltungsbereichs 5  Prof. Dr. Konrad Brustbauer Wiener Pflege- und Patientenanwalt

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"MEP Misstrauen, Entmündigung und Provokation?
Wir sprechen uns vehement gegen Terror-Methoden aus, die uns Ärzte massiv unter Druck setzen.
MR Dr. Norbert Jachimowicz, Stellvertrendder Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte der Ärztekammer für Wien
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Standpunkt 2
"Kein Pardon für schwarze Schafe"
Wir versuchen, jegliche Art von Missbrauch zu verhindern und wenn nötig auch zu bekämpfen.
Mag. Andreas Obermaier, Direktor der Wiener Gebietskrankenkasse, Leiter des Verwaltungsbereichs 5
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Standpunkt 3
"Vertrauensverhältnis nicht belasten"
Ehe man Patienten vorlädt, sollten alle anderen Aufklärungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden.
Prof. Dr. Konrad Brustbauer, Wiener Pflege- und Patientenanwalt
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Von V. Weilguni, Ärzte Woche 42 /2011

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