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Jugendliche greifen zur Problemlösung vermehrt zu Alkohol und Nikotin.
 
Gesundheitspolitik 10. Oktober 2011

Jugend unter Druck

Suizidrisiko bei Jugendlichen steigt dramatisch an

Stress in der Schule, Angst vor der Zukunft, Beziehungsprobleme – Jugendliche müssen eine Vielzahl an Alltagsproblemen bestreiten und das in einer Lebensphase, in der es einem der eigene Körper oft auch nicht leicht macht. Der wachsende Druck und die damit verbundene Hilflosigkeit lässt das Suizidrisiko bei Jugendlichen ansteigen.

In Österreich sterben jährlich doppelt so viele Menschen durch Suizid als bei Verkehrsunfällen. Jeden Tag nehmen sich im Schnitt vier Personen das Leben und zehnmal so viele begehen einen Suizidversuch.

2010 haben sich laut Statistik Austria 1.261 Menschen in Oberösterreich suizidiert, 108 Personen waren zwischen 5 und 25 Jahre alt. Oberösterreich hat somit nach Niederösterreich und Wien, die dritthöchste Suizidrate Österreichs. Auch im Psychosozialen Notdienst von pro mente OÖ finden diese Zahlen ihren Niederschlag. 2011 steigt die Suizidrate wieder an.

Immer mehr Jugendliche benötigen rasche psychosoziale Hilfe

„Die Menschen, die unser Angebot aufsuchen, werden immer jünger“, sagt Monika Czamler, Psychotherapeutin und Leiterin des Psychosozialen Notdienstes (PND) von pro mente OÖ. „Jugendliche geraten immer öfter in Lebenskrisen, von denen sie überzeugt sind, sie nicht selbst lösen zu können. Problematisch wird es vor allem, wenn die Jugendlichen keinen Ausweg mehr erkennen können und drastische und endgültige Maßnahmen wie Suizid ergreifen. Von einer akuten Krise wird dann gesprochen, wenn in einer schwierigen Lebenssituation die bisher erlernten Problemlösungsstrategien nicht ausreichen. Genau das erleben wir in der Arbeit mit den Angehörigen immer wieder, aber auch dass viele junge Erwachsene wenig Lösungsstrategien zur Verfügung bzw. erlernt haben, oder sie vielleicht auch nicht anwenden können. Natürlich spielen weiters gesellschaftliche Entwicklungen eine Rolle, warum Menschen keine Perspektive mehr für sich sehen.“

Vielschichtige Ursachen

„Ein Suizidversuch kann aus den verschiedensten Gründen unternommen werden“, sagt Prof. Doz. Dr. Werner Schöny, Vorstandsvorsitzender von pro mente OÖ. „Ursachen sind zum Beispiel gescheiterte Beziehungen, Verlust der Arbeitsstelle oder der Verlust eines geliebten Menschen. Meistens sind Situationen, in denen Personen für sich keinen Ausweg mehr sehen, der Auslöser. Faktoren, die das seelische Gleichgewicht ins Schwanken bringen, können gerade in der Pubertät noch einmal intensiver wahrgenommen werden.

Die häufigsten Probleme von Jugendlichen sind soziale Beziehungen, wie Partnerschaften und Beziehungen innerhalb der Familie, sowie Probleme in der Schule, in der Arbeit und vermehrt auch Zukunftsängste. Gerade bei Schülern wächst gegen Schulschluss der Leistungsdruck. Dieser kann oftmals schwerwiegende Folgen mit sich ziehen.“

Ein Problem vieler Jugendlicher ist auch die fehlende Lebensorientierung. Diese bezieht sich aber nicht nur auf die berufliche Komponente, auch die eigene Persönlichkeit wandelt sich in der Pubertät. Jeder Jugendliche will und muss seinen Platz in der Gesellschaft finden, nicht selten entsteht ein innerlicher Kampf zwischen Individualismus und Gruppenzwang.

„Studien belegen, dass Jugendliche zur Problemlösung vermehrt zu Alkohol und Nikotin greifen. Die Konsumenten werden immer jünger. Alkoholkonsum senkt bekanntlich die Hemmschwelle. So kommt es oft vor, dass bei Suiziden meist Alkohol im Spiel ist. Vor allem Männer sind von dieser Problematik betroffen“, so Schöny.

Vorbildliches Suizidpräventionsprogramm

Um Suizide besser vermeiden zu können, ist vor allem Aufklärungsarbeit essentiell. „Vorsorge ist mindestens so wichtig, wie Nachsorge. Es ist notwendig, dass Menschen schon bald mit psychosozialen Themen in Berührung kommen und über Probleme in diesen Bereichen informiert werden“, sagt Schöny. Auch Monika Czamler setzt auf frühe Präventionsarbeit:

„Es wäre sinnvoll, bereits in der Volksschule mit Trainings zur Stressreduktion und Stressmanagement zu beginnen und dies auch auf dem weiteren Ausbildungsweg fortzuführen.

An einem vorbildlichen Suizidpräventionsprogramm wird gerade in der Steiermark gearbeitet.

 

Hier wird ein Angebot zur Verfügung gestellt, das Vorsorge auf drei Ebenen vorsieht:

 

  • Primärprävention für SchülerInnen, StudentInnen und in der Erwachsenenbildung
  • Sekundärprävention bei persönlichen Krisen für HelferInnen in den verschiedensten Bereichen
  • Tertiärprävention für psychiatrische PatientInnen nach einem stationären Aufenthalt

Quelle: „Jugend unter Druck - Suizidrisiko bei Jugendlichen steigt dramatisch an“, Pressekonferenz von pro mente OÖ im Linzer Presseclub am 7. 7. 2011

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