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Gesundheitspolitik 30. September 2011

Zukunftsvision „Gesundheit 2020“

Die Bürger sollen ihr gesundheitliches Potenzial voll ausschöpfen können. Mit den nun beschlossenen Aktionsplänen wird der Europäischen Region der Weg zu mehr Gesundheit, Wohlstand und Chancengleichheit gewiesen.

25 Jahre sind vergangen, seit die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung verabschiedet wurde. Bei der 61. Tagung des WHO-Regionalkomitees für Europa in Baku, Aserbaidschan, vom 12. bis 15. September 2011 wurde eine Deklaration gegen nichtübertragbare Krankheiten beschlossen.

 

Nichtübertragbare Krankheiten, zu denen Krebs, Herzerkrankungen, chronische Lungenerkrankungen und Diabetes gehören, sind für gut 86 Prozent aller Todesfälle und 77 Prozent der Krankheitslast in der Europäischen Region der WHO verantwortlich, aber auch für einen erheblichen Teil der zunehmenden gesundheitlichen Ungleichheiten, die innerhalb von wie auch zwischen den Ländern beobachtet werden.

Für weniger entwickelte Länder stellen sie auch ein ernstes Entwicklungshindernis dar. Die Weltgemeinschaft erkennt jetzt ungesunde Lebensmittel, Bewegungsmangel, schädlichen Alkoholkonsum und uneingeschränkt den Konsum von Tabakprodukten als vermeidbare Ursachen dieser chronischen Krankheiten an. Ungesunde Lebensstile sind ein ursächliches Ergebnis unausgewogener gesundheitlicher Chancengleichheit in einer Umwelt, die gesundes Verhalten Einzelner erschwert. Die Förderung gesunder Lebensstile in allen Politikbereichen kann kosteneffektiv einen Großteil der nichtübertragbaren Krankheiten verhindern und damit die Gesundheit, die Produktivität, das wirtschaftliche Überleben und die nachhaltige Entwicklung zukünftiger Generationen sichern.

Alarmierende Situation

„Die Situation ist alarmierend“, sagte Ban Ki-moon, Generaldirektor der Vereinten Nationen auf dem UN-Gipfel. „Die Dimension des Problems ist so groß, dass der Gesundheitssektor allein damit nicht fertig wird.“ Effektive Präventionsstrategien auf Bevölkerungsebene seien dagegen fast für umsonst zu haben.

Die verabschiedete politische Deklaration lege einen exzellenten Grundstein zur Abwendung von vermeidbarem Schmerz und Leid, vermeidbaren Kosten, Behinderungen und Sterbefällen. Die Menschen müssten sich mehr bewegen, gesünder essen, weniger Alkohol trinken und mit dem Rauchen aufhören. In der Verantwortung der Regierungen liege es, dafür zu sorgen, dass ihre Bevölkerungen dazu befähigt würden, gesünder zu leben. Dazu müssten gesunde, nachhaltig produzierte Lebensmittel bereitgestellt werden und mit Hilfe von Medien und Marketingkampagnen müsste ein gesunder Lebensstil Verbreitung finden, so Ki-moon. In der Verantwortung des privaten Sektors liege es, nachhaltig zu wirtschaften, Luft, Wasser und Land sauber zu halten und Profitstreben nicht über die Verantwortung gegenüber dem menschlichen Wohlergehen zu stellen.

Desaster in Zeitlupe

Margret Chan, Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), nannte den Gipfel einen dringend notwendigen Weckruf, das „Desaster in Zeitlupe“ rechtzeitig und mit aller Entschlossenheit auf höchster Ebene anzugehen. „Nur was gemessen wird, wird auch in Angriff genommen“, sagte sie und bekräftigte damit die Notwendigkeit der Datenerhebung als Grundlage für Zielformulierungen und Messung von Fortschritten. Sie nannte die erschreckend schnell um sich greifende Adipositasepidemie ein Warnsignal dafür, dass „etwas ganz schrecklich falsch“ laufe. „Die hohen Zahlen übergewichtiger und adipöser Menschen sind kein Anzeichen dafür, dass die Betroffenen persönlich versagt haben, sondern sie zeigen uns, dass die Politik auf höchster Ebene versagt hat.“

Prävention des Diabetes

„Die Staats- und Regierungsoberhäupter der Welt müssen jetzt den Mut haben, in Gesundheit zu investieren, denn die Kosten der Untätigkeit werden ungleich höher sein“, forderte Jean-Claude Mbanya, Präsident der Internationalen Diabetes Föderation, einer der Gründungsorganisationen der Internationalen Allianz gegen nichtübertragbare Krankheiten, die den Gipfel angeregt hatte.

„Wir sind stolz darauf, ein starkes Abschlussdokument ausgehandelt zu haben“, sagte Ann Keeling, Geschäftsführerin der Internationalen Diabetes Föderation. „Wir haben dieses Gipfeltreffen gebraucht, um den politischen Willen zur Führung auf globaler und nationaler Ebene zu zünden. Der Gipfel ist nur der Auftakt zu einem langen Weg, der noch vor uns liegt.“

Zukunftsprogramm

Die Weltgesundheitsorganisation ist jetzt aufgefordert, bis 2012 Vorschläge für eine multisektorale Partnerschaft zwischen Regierungen und Zivilgesellschaften zu entwickeln, unter Berücksichtigung des Beitrags gesundheitsbezogener Nichtregierungsorganisationen und von Patientenverbänden. Es müssen Ziele vorgegeben und Indikatoren zur Messung von Fortschritten im Zeitverlauf festgelegt werden. Bis Ende 2013 sollen die Regierungen Nationale Aktionspläne gegen nichtübertragbare Krankheiten entwickeln. Für 2014 ist ein Zwischenbericht auf höchster UN-Ebene vorgesehen. Außerdem wird geprüft, ob die nichtübertragbaren Krankheiten ab 2015 in die Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen integriert werden sollen.

 

Quellen: Pressemitteilungen von WHO und Diabetes.de

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