zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 29. September 2011

E-Medikations-Pilotregion Tirol: Datenklau "keine Bagatelle"

Der jüngste Datenskandal, im Zuge dessen sich die Hacker-Gruppe Anonymous Austria Besitz über eine umfassende Datenbank der Tiroler Gebietskrankenkasse mit mehr als 600.000 Patientendaten verschafft hat, versetzt den Vizepräsidenten der Wiener Ärztekammer, Johannes Steinhart, in höchste Alarmbereitschaft.

"Es war nur eine Frage der Zeit, bis Patientendaten in die Hände von Hackern gelangen", so Steinhart. Und es sei bezeichnend, dass gerade in der E-Medikations-Pilotregion Tirol "ein Malheur dieser Größenordnung" passiert sei. Steinhart wartet nun laut einer Aussendung der Ärztekammer darauf, dass die politisch Verantwortlichen endlich bekennen, dass eine 100-prozentig sichere Speicherung von Medikations- und Gesundheitsdaten nicht gewährleistbar sei. "Dass Hacker über 600.000 Patientendaten 'stolpern' können, ist keine Bagatelle und sollte uns endgültig die Augen öffnen."

Auch der niederösterreichische Patientenanwalt Gerald Bachinger erntet Kritik vom Vizepräsidenten. "Anstatt die Ärztekammer ständig als 'verantwortungslose Boykotteurin' anzuprangern, sollte der Patientenanwalt vielleicht einmal selbst Verantwortung übernehmen und sich auf die Rechte der Patientinnen und Patienten besinnen", so Steinhart. Denn: "Die Intim- und Privatsphäre der Patienten und die Tatsache, dass gesundheitsbezogene Daten dem Datenschutz unterliegen, gehören zu den grundlegenden Patientenrechten, das sollte Herrn Bachinger eigentlich bekannt sein. Es wird Zeit, dass er sich dafür einsetzt, dass diese Rechte auch in Zukunft gewahrt werden können."

Die ganze Zeit sei die Rede von der Qualitätsverbesserung, die die E-Medikation und die Elektronische Gesundheitsakte ELGA bringen würden. "Ich glaube nicht, dass es die Patientinnen und Patienten als Qualitätsverbesserung ansehen, wenn sie pausenlos dem massiven Risiko ausgesetzt sind, dass ihre hochsensiblen Gesundheitsdaten an die Öffentlichkeit gelangen können." Es dürfe nicht sein, dass mit Patientendaten so leichtfertig umgegangen werde.

Die Vorfälle der letzten Zeit würden darüber hinaus ganz klar beweisen, dass die Verantwortlichen weder das technische Know-how noch eine Chance hätten, Daten so zu speichern, dass sie unter keinen Umständen an die Öffentlichkeit gelangen könnten, ist der Vizepräsident überzeugt. "Ich kann nur immer wieder aufs Neue darauf hinweisen, dass es am sichersten ist, Medikations- und Gesundheitsdaten in der Obhut der behandelnden Ärztinnen und Ärzte zu belassen", so Steinhart. Der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte appelliert nun an Gesundheitsminister Alois Stöger, "dem Spuk endlich eine Ende zu bereiten und sich endgültig vom geplanten ELGA-Gesetz zu verabschieden." Die Wiener Ärztekammer stehe darüber hinaus nach wie vor zu ihrer Ablehnung des derzeitigen E-Medikationsmodells.

 

Quelle: Aussendung der Wiener Ärztekammer

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben