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Foto: Photo Furgler
Prof. Dr. Gottfried Dohr Vorstand des Instituts für Zellbiologie, Histologie und Embryologie der Medizinischen Universität Graz
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Prof. Dr. Gottfried Dohr Vorstand des Instituts für Zellbiologie, Histologie und Embryologie der Medizinischen Universität Graz

 
Gesundheitspolitik 3. April 2009

Die Forschung an adulten Stammzellen sollte Priorität gegenüber der Erforschung humaner embryonaler Stammzellen haben.

Schon in meiner Funktion als Präsident und späterer Ehrenpräsident der Österreichischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie (ÖGRM) beschäftigte ich mich intensiv mit der Frage der Forschung an embryonalen Stammzellen. Ethisch ist diese bedenklich, da wir in einer christlich geprägten Gesellschaft leben, in der Lebensschutz einen hohen Stellenwert hat – Wissenschaft sollte sich nicht völlig außerhalb dieses Rahmens in einem „wertefreien Raum“ bewegen.

Die „Gewinnung“ embryonaler Stammzellen ist eine äußerst aufwändige Technik, auch in finanzieller Hinsicht. Die große Gefahr ist, dass Frauen – gerade solche aus sozial prekären Situationen – unter Druck kommen, ihre Eizellen und Embryonen zur Verfügung zu stellen. Embryonale Stammzellen sind zudem allogen, das bedeutet, es kann auch zu Abstoßungsreaktionen kommen. Außerdem gibt es Studien, die auf das Risiko von Tumorbildung hinweisen.

Die Erforschung adulter Stammzellen ist finanziell wesentlich günstiger und ethisch weniger bedenklich. Diese kommen häufig vom Betroffenen selbst, etwa aus Nabelschnurblut oder Knochenmark. Unverständlich ist, warum so viel in eine riskante und ethisch bedenkliche Technik investiert wird – mehr Mittel für den Einsatz adulter Stammzellen würde schon mittelfristig klinisch relevante Ergebnisse bringen. In manchen Bereichen werden adulte Stammzellen schon heute erfolgreich eingesetzt. Auch induzierte pluripotente Stammzellen sind eine Alternative zu embryonalen Stammzellen.

Das Argument, dass bei der In-vitro-Fertilisierung (IVF) so viele „überzählige“ Embryonen anfallen, stimmt nur bedingt. Es gibt – auch durch EU-Projekte unterstützt – viele Bemühungen, die Embryonenzahl möglichst gering zu halten. Stimulationsschemata und Kulturbedingungen werden ständig verbessert. Für eine Implantation werden vor allem besonders vitale Embryonen ausgewählt, die übrigen stellen also kein ideales Ausgangsmaterial für eine erfolgreiche Forschung dar.

Lesen Sie auch die Einführung zum Thema dieser Standpunkte:
Forschung an embryonalen Stammzellen bleibt umstritten

 

Lesen Sie zu diesem Thema auch diese Standpunkte:

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 14/2009

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