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Foto: bundeskanzleramt
Prof. Dr. Günther Pöltner, Institut für Philosophie der Universität Wien sowie stellvertretender Vorsitzender der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt
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Prof. Dr. Günther Pöltner Institut für Philosophie der Universität Wien sowie stellvertretender Vorsitzender der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt

 
Gesundheitspolitik 3. April 2009

Verbot der verbrauchenden Embryonenforschung soll bleiben.

Ich gehört zu jenen fünf Mitgliedern der 25-köpfigen Kommission, die der Position B beigetreten sind. Diese plädiert für einen von Anfang an das ganze Leben umfassenden und eine Gradualisierung ausschließenden Lebensschutz, unter den auch der menschliche Embryo fällt. Das menschliche Leben stückt sich nicht aus Abschnitten zusammen, sondern bildet eine unteilbare dynamische Einheit. Humane embryonale Stammzellen sind für die Therapie ungeeignet, weil sie viel zu risikoreich und auch nicht zur Toxizitätsprüfung für die Arzneimittelherstellung zwingend erforderlich sind.

Nach der derzeitigen Rechtslage ist zwar die Gewinnung von humanen embryonalen Stammzellen verboten, nicht jedoch ihr Import sowie die Forschung mit pluripotenten embryonalen Stammzellen.

Die Position B der Stellungnahme der Bioethikkommission empfiehlt die Beibehaltung des Verbots der verbrauchenden Embryonenforschung durch die gesetzliche Verankerung. Dasselbe gilt für das Verbot des „therapeutischen“ Klonens. Es geht keineswegs um ein generelles Forschungsverbot. Als politischer Kompromiss vorstellbar ist eine Stichtagsregelung: die Erlaubnis des Imports von Stammzelllinien, die vor einem Stichtag (z B. 1. Februar 2009) in das Stammzellregister der EU eingetragen sind. Dies würde freilich das ethische Dilemma nicht beseitigen. Schließlich sollte sich die öffentliche Förderung auf die vielversprechenden, ethisch unbedenklichen Alternativen wie beispielsweise adulte Stammzellen, iPS, konzentrieren.

Ich finde es eigenartig, weder von der Pressekonferenz am 23. März verständigt noch zu ihr eingeladen worden zu sein. Am Podium fanden sich ausschließlich Vertreter einer Liberalisierung der embryonalen Stammzellforschung. Die kritische Position B war daher weder in der Pressekonferenz noch in Pressemitteilungen in ausreichender Form präsent. Für mich ist das eine schiefe Optik.

Lesen Sie auch die Einführung zum Thema dieser Standpunkte:
Forschung an embryonalen Stammzellen bleibt umstritten

 

Lesen Sie zu diesem Thema auch diese Standpunkte:

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 14/2009

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