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Gesundheitspolitik 22. September 2011

„Drei Prozent sind zu wenig“

97 Prozent der Gesundheitsausgaben werden in die Behandlung investiert. Ein magerer Rest bleibt für die Prävention.

86 Prozent der Todesfälle in Europa gehen auf das Konto von nichtübertragbaren Krankheiten, verursacht durch Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Alkoholmissbrauch und Rauchen. Am European Health Forum Gastein sollen im Oktober Auswege gefunden werden.

 

„Nichtübertragbare Krankheiten sind heute die zentrale Bedrohung der Gesundheit der Menschen und belasten die Gesundheitssysteme. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegs-Erkrankungen, Diabetes und Krebs machen in den 53 Ländern der WHO-Region Europa 77 Prozent der Krankheitslast aus und sind die Ursache für 86 Prozent aller Todesfälle“, sagte der Präsident des European Health Forum Gastein (EHFG), Prof. Dr. Günther Leiner, im Vorfeld des Kongresses.

Aber nicht nur in den reichen Ländern, auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern gewinnt die Gruppe der „Zivilisationskrankheiten“ enorm an Bedeutung, weltweit sind sie für 63 Prozent der 57 Millionen weltweiten Todesfälle verantwortlich, wie der Global-Status-Report der WHO zeigt.

„Diese Entwicklung ist insofern besonders irritierend, als die meisten von diesen Erkrankungen mit den bekannten Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Alkoholmissbrauch und Rauchen einhergehen, die allesamt vermeidbar wären. Sechs Millionen Menschen weltweit sterben jedes Jahr an den Folgen von Tabakkonsum – und trotz allem, was wir über die Tödlichkeit des Rauchens wissen, ist es weltweit noch immer im Steigen begriffen, auf geschätzte 7,5 Millionen Zigarettentote im Jahr 2020. 3,2 Millionen Menschen, schätzt die WHO, sterben jährlich an Bewegungsmangel, 2,8 Millionen an den Folgen von Übergewicht und 2,5 Millionen aufgrund von Alkohol-Missbrauch“, so Leiner. „Allerdings fließen gegenwärtig 97 Prozent der Gesundheitsausgaben in die Behandlung und nur magere drei Prozent werden in die Prävention investiert. Hier ist die Gesundheitspolitik massiv gefordert.“

Millionen Menschenleben retten

Das sei schon deshalb besonders wichtig, weil einige sehr konkrete Maßnahmen europa- und weltweit Millionen Menschenleben retten könnten. „Allen voran stehen politische Entscheidungen, um das Rauchen massiv und nachhaltig einzudämmen“, fordert Leiner. Erst kürzlich hat eine Gruppe von Wissenschaftlern im Lancet vorgerechnet, dass sich im Lauf von zehn Jahren 5,5 Millionen vorzeitige Todesfälle vermeiden ließen, würde die internationale Rahmenkonvention zur Tabakkontrolle (FCTC) rascher als bis zum Zieldatum 2040 umgesetzt. Sie hat das Ziel formuliert, dass nur mehr fünf Prozent der Bevölkerung Tabak konsumieren. Prof. Leiner: „Auch über die gezielte starke Besteuerung von Tabakprodukten ließe sich viel dazu beitragen.“

Andere wichtige Maßnahmen, die auf internationaler Ebene angestrebt werden, sind die Verringerung der täglichen Salzaufnahme um durchschnittlich drei Gramm, um die Häufigkeit von Schlaganfällen und Herzinfarkten einzudämmen, die Eliminierung von Transfetten und die Reduzierung von gesättigten Fettsäuren oder eine gezielte Förderung der Bewegung über die Verkehrspolitik.

600 Köpfe für die europäische Gesundheitspolitik

Mehr als 600 Politiker, Entscheidungsträger, Interessensvertreter und Experten aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Industrie, Zivilgesellschaft sowie Wissenschaft und Forschung aus rund 40 Ländern treffen jährlich in der ersten Oktoberwoche zum European Health Forum im Salzburger Gasteinertal zusammen und beraten über aktuelle Entwicklungen der europäischen Gesundheitspolitik. „Viele Themen, die im Rahmen des EHFG im Laufe seines 14-jährigen Bestehens initiiert wurden, haben nicht nur Eingang in die Diskussion, sondern in die konkrete politische Umsetzung gefunden, zum Beispiel das Thema der Seltenen Erkrankungen“, zieht Leiner Bilanz. Das 14. European Health Forum Gastein wird von 5. bis 8. Oktober 2011 in Bad Hofgastein stattfinden und steht diesmal unter dem Motto „Europas Gesundheit in 2020 und darüber hinaus“.

 

www.ehfg.org

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