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Gesundheitspolitik 21. September 2011

Komm, trink mit mir!

Alkoholabhängigkeit ist in Österreich ein gesellschaftliches Problem und dennoch ein Tabuthema.

In Österreich gehört der Alkohol zum gesellschaftlichen Alltag: Alkoholgenuss ist oft Höhepunkt bei besonderen Anlässen und Festen, „sich betrinken“ ist immer noch Ausdruck einer besonders männlichen Kultur, und selten fehlt der Alkohol, wenn es um die Vorstellung von Entspannung und Geselligkeit geht. Nicht zuletzt ist Alkohol eine wichtige Einnahmequelle ganzer Wirtschaftszweige. Vergessen wird dabei schnell, dass durch Alkoholkranke in Österreich zwei Milliarden Euro direkte und indirekte Kosten im Jahr verursacht werden. Und doch gibt es immer noch viele Graubereiche im Gesundheitssektor, die Alkoholabhängigkeit nicht als Krankheit anerkennen und dementsprechend fehlen auch die passenden Therapieangebote.

Österreich zählt im Hinblick auf die Zahl der Alkoholkranken zu den europäischen Spitzenreitern und ist gleichzeitig ein blinder Fleck, denn das Thema wird zumindest in Bezug auf Erwachsene nach wie vor negiert. Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen wird diskutiert, doch das Problem betrifft in großem Ausmaß die 30- bis 60-Jährigen und Ältere. Rund ein Drittel bis ein Viertel der männlichen Bevölkerung betreibt problematischen Alkoholkonsum, 330.000 Österreicher sind als alkoholkrank diagnostiziert. Massive Zuwachsraten sind bei Frauen zu verzeichnen. Derzeit kommt auf vier abhängige Männer eine Frau, bei unter 16-Jährigen ist das Verhältnis aber schon 2:1.

Mehr zum Thema Alkoholabhängigkeit: Erfahrungsbericht eines Arztes auf Seite 33 

Prof. Dr. Michael Musalek Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Vorstand Anton-Proksch-Institut Renate Römer Obmann, Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA)   Mag. Andreas Gatsch Sozialmedizinischer Dienst, Amt der Salzburger Landesregierung

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Suchtkliniken haben ein grundsätzliches Imageproblem"
Obwohl die Erkrankung sehr gut behandelbar ist, werden die Angebote nicht ausreichend in Anspruch genommen.
Prof. Dr. Michael Musalek, Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherpie, Vorstand Anton-Proksch-Institut
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Standpunkt 2
"Verhaltensprävention geht immer alle Beteiligten an"
Wir gehen selbst mit gutem Beispiel voran und haben eine Betriebsvereinbarung zum Umgang mit Abhängigkeiten vereinbart.
Renate Römer, Obmann, Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA)
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Standpunkt 3
"Folgeschäden treten nicht nur bei den Erkrankten auf"
Es geht in erster Linie gar nicht so sehr um Abstinenz der Abhängigen, sondern erst einmal um Schadensminimierung in der Familie.
Mag. Andreas Gatsch, Sozialmedizinischer Dienst, Amt der Salzburger Landesregierung
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Von R. Haiden, Ärzte Woche 38 /2011

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