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Dr. Christian Euler 
Dr. Christian Euler,
Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes

 
Gesundheitspolitik 15. September 2011

Hausarzt – ein Berufsstand vor dem K.O.?

Österreich ist das einzige Land Europas ohne universitär verankerte Ausbildung zum Allgemeinmediziner. "Die erfolgreichen Lehrpraxen wurden durch ein unzumutbares Besoldungssystem von der Politik abgewürgt", meint der Hausärzteverband in einer Aussendung. Das zeige in Praxis seine Wirkung: Den Hausärzten fehlt es an Nachwuchs, ein Berufsstand steht vor dem K.O. Mit zwei Diskussionsabenden im Wiener RadioKulturhaus will der Österreichische Hausärzteverband die Verursacher dieser dramatischen Situation aufrütteln und fragt "Wem nützt das Hausarztsterben?"

Primärversorgung in Gefahr

 

Die Situation ist alarmierend: Die Zahl junger Hausärzte nimmt in Österreich seit einigen Jahren rapid ab. Dem steht eine massive Pensionierungswelle in den nächsten Jahren gegenüber, zahlreiche Hausarztpraxen werden künftig leer stehen. Die Nachfolgeproblematik wird ohne ein rasches Umdenken kaum mehr zu lösen sein, die ärztliche Primärversorgung - speziell in ländlichen Regionen - gerät zunehmend in ernste Gefahr.

Keine Krankheitsverwalter 

"Wenn Politiker von der Aufwertung des Hausarztes sprechen, meinen sie dessen Rolle als Krankheitsverwalter bei abnehmendem Honorar", meint dazu Dr. Christian Euler, Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes.  Die flächendeckende, wohnortnahe, persönliche und vertrauensvolle Behandlung durch den Hausarzt könnte in unserem Land somit schon demnächst Geschichte sein. 

Das Ausbildungs-Desaster

 

"Der sicherste Weg, eine Berufsgruppe auszulöschen, ist, dafür zu sorgen, dass ihr Nachwuchs ausbleibt", so Euler. Und genau das passiere an Österreichs Hochschulen. Das Fach Allgemeinmedizin ist an den öffentlichen Universitäten noch immer nicht institutionalisiert, der Hausarztberuf verschwindet damit aus dem Blickfeld des medizinischen Nachwuchses.

Geringschätzung 

Die Geringschätzung der Hausärzte setzt sich in der praktischen Berufsausbildung fort, die neuerdings auch noch mit kaum überwindbaren Hürden belegt wird, wie der Allgemeinmediziner und langjährige Lehrpraxisleiter Dr. Michael Wendler berichtet. Trotz widriger Rahmenbedingungen und fehlender Strukturen – grundlegende Bereiche wie Finanzierung, Qualitätssicherung oder Ergebnisevaluation sind unzureichend geregelt – habe das Lehrpraxis-System mit viel persönlichem Einsatz lange Zeit funktioniert. Durch ein neuartiges, beispielloses Besoldungssystem, das kürzlich unter Zustimmung der eigenen Standesvertretung beschlossen wurde, sei nun aber auch dieser Ausbildungsweg dem Ende nahe.

Diskussionsabende "Wem nützt das Hausarztsterben?"

Erste Veranstaltung: 18. Oktober, Wiener RadioKulturhaus

Presse Hausärzteverband/Red

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