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Gesundheitspolitik 13. September 2011

Land der kranken Kinder

Ob Söhne oder Töchter – um die Kinder- und Jugendgesundheit ist es in Österreich schlecht bestellt.

Essstörungen, Adipositas, Komasaufen, Drogensucht – geht es um die gesundheitlichen Probleme von Kindern und Jugendlichen, so scheint die Liste an „Baustellen“ immer länger zu werden. Wie es aber tatsächlich aussieht, lässt sich schwer beantworten, denn in vielen Bereichen, die Fragen rund um die Kinder- und Jugendgesundheit betreffen, fehlen valide Daten und vor allem ein Monitoring, das Veränderungen oder Entwicklungen objektiv abbilden kann.

Im Jänner 2010 wurde erstmals ein „Bericht zur Lage der Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich“ veröffentlicht. Das Resümee war ernüchternd – gestützt auf internationale Vergleichsdaten mussten sich auch Experten eingestehen, dass es nicht gut um die Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich steht. Während das österreichische Gesundheitswesen für die Allgemeinbevölkerung Top-Bewertungen erhält, liegt es in den Bereichen „Gesundheit“ und „Risikoverhalten“ von Kindern und Jugendlichen laut Studien sowohl von OECD als auch von UNICEF an der letzten Stelle aller europäischen Länder!

Ein „Kindergesundheitsdialog“ wurde eingerichtet und ist ein erster Schritt in eine wichtige und richtige Richtung, um zumindest die dringendsten „Hot Spots“ in der Öffentlichkeit zu beleuchten. Da die Krankheitsbilder von Kindern und Jugendlichen immer komplexer werden und in all ihren Lebensräumen zum Tragen kommen, wäre es dringend nötig, das Wissen und die Kompetenz verschiedener Professionen wie Medizin und Psychologie bzw. Psychotherapie, Pädagogik und Sozialwissenschaften zu bündeln.

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Unsere Standpunkte von links nach rechts

Standpunkt 1
"Niederschwelliger Zugang muss ausgebaut werden"
Wir brauchen an den Schulen einheitliche Settings für die Aufklärung in Impffragen.
Dr. Judith Glatzer Präsidentin der Gesellschaft der Schulärzte
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Standpunkt 2
"One-Stop-Shop für Leistungen der Kinder- und Jugendmedizin"
Es kann nicht sein, dass sich Eltern aus Kostengründen gegen Therapien für ihre Kinder entscheiden.
Prof. Dr. Reinhold Kerbl Vorstand der Abteilung für Kinder und Jugendliche, LKH Leoben-Eisenerz
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Standpunkt 3
"Kinder sind nicht das Problem, sie haben ein Problem!"
Kinder mit erkennbaren Risikokonstellationen in der Familie müssen aktiv aufgesucht werden.
Dr. Klaus Vavrik Präsident der Liga für Kinder- und Jugendgesundheit
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Von R. Haiden, Ärzte Woche 37 /2011

  • Herr Prof. Manfred Neuberger MD, 16.09.2011 um 16:18:

    „Seit Außerwinkler abgesetzt wurde, wird am Problem vorbei diskutiert: Die Korruption von Politikern und die Manipulation der Medien durch die Tabakindustrie sind der wahre Grund für unser miserables Ranking bei der Tabakkontrolle. Solange wir keine Gesetze wie Nord- und Westeuropa bekommen, die Tabakindustrie samt ihren Helfershelfern (Trafikanten, Gastronomie) frei gewähren und uns von Lobbyisten einschüchtern lassen, wird sich kaum etwas ändern. Erst wenn wir auf die reaktionäre Politik nicht mehr mit Gleichgültigkeit und Resignation reagieren, sondern mit Empörung, werden Zigarettenautomaten, Schokozigaretten, etc. verboten werden. Ähnliches gilt für die Cocktails der Alkoholindustrie, die laxen Kontrollen und die zu geringe Altersgrenze für Tabakbezug. Kinder- und Jugendschutz muss endlich wieder einen höheren Stellenwert bekommen als die Profite der Konzerne.“

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