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Gesundheitspolitik 9. September 2011

Vier von fünf Rücken OPs unnötig

Unnötige medizinische Behandlungen seien europaweit ein dringliches Problem, dem entschieden zu begegnen sei, betonte heute der Präsident des European Health Forum Gastein (EHFG) Dr. Günther Leiner in Brüssel. "Es ist paradox, dass wir einerseits in Europa und darüber hinaus über die Grenzen der Finanzierbarkeit unserer Gesundheitssysteme diskutieren, und andererseits zunehmend mit dem Phänomen Überbehandlung konfrontiert sind, das seinerseits wieder ökonomische Gründe hat", betonte Prof. Leiner im Vorfeld diesjährigen EHFG-Kongresses im Oktober in Bad Hofgastein.

Beispiel Operationen

Besonders beunruhigend sei in diesem Zusammenhang das Problem unnötiger Operationen, weil chirurgische Eingriffe immer mit einem nicht zu unterschätzenden Risiko behaftet sind. Nach aktuellen Erhebungen der deutschen Techniker Krankenkasse (TK) sind vier von fünf Operationen am Rücken unnötig.

OECD-Daten aus dem Vorjahr zufolge gibt es europaweit enorme Unterschiede, was die Häufigkeit von Hüft- oder Knieersatzoperationen betrifft: Sie reichen bei Hüfteingriffen von 289 pro 100.000 Einwohner in Deutschland oder 243 in Österreich bis 39 in Polen oder 15 in Zypern. Bei Knieoperationen reicht die Spanne von 206 (Deutschland) bis nur 5 (Rumänien). „Es ist schwer vorstellbar, dass sich derart große Unterschiede medizinisch erklären lassen, da spielen natürlich ökonomische Faktoren eine Rolle“, so Prof. Leiner.

Beispiel Medikamente

Eine Vielzahl von Untersuchungen beschreibt das Problem Überbehandlung aber nicht nur in Bezug auf Operationen, sondern auch, was Medikamente betrifft. „Eine Studie der Salzburger Medizinuniversität (PMU) zeigte bei Patienten mit einem Durchschnittsalter von 82 Jahren bei 36 Prozent verzichtbare und bei 30 Prozent inadäquate Medikamente“, so Leiner.

Internationale Lösungsansätze

"Viele Gesundheitsprobleme lassen sich nicht innerhalb nationaler Grenzen lösen, sondern erfordern internationale Zusammenarbeit", betonte Paola Testori-Coggi, Generaldirektorin für Gesundheit und Konsumentenschutz in der Europäischen Kommission.

"Gerade wenn es um die Gesundheit einer alternden europäischen Bevölkerung geht, ist Prävention eine ganz wichtige Investition in die Zukunft. Europa muss daher mehr in die Gesundheitsförderung investieren. Und wir müssen uns damit beschäftigen, wie Innovation dazu beitragen kann, dass die Menschen möglichst gute Chancen haben, bei guter Gesundheit alt zu werden."

 European Health Forum Gastein 2011
  Beim diesjährigen European Health Forum Gastein, das unter dem Motto „Innovation und Wellbeing – Europas Gesundheit in 2020 und darüber hinaus“ stehen wird, geht es unter anderem um adäquate Strategien, um derartigen Belastungen für Betroffene und Gesundheitsbudgets zu begegnen, zum Beispiel Innovation, personalisierte Medizin, eHealth, oder Health Technology Assessment. Infos im Internet: www.ehfg.org

Presse EHFG/AN

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