zur Navigation zum Inhalt
Foto: Prantl
Pharmig-Präsident Dr. Robin Rumler freut sich über frischen Wind im Meinungsbildungsprozess: Per digitalem Voting wurden die Meinungen aller Teilnehmer in die Ergebnisse integriert.
Foto: Nadine Bargad
 
Gesundheitspolitik 30. August 2011

"Die Weisheit des Kollektivs"

Im Gespräch mit Dr. Robin Rumler, Präsident der Pharmig und Geschäftsführer von Pfizer Österreich, über die Ergebnisse der Gesundheitsgespräche in Alpbach.

„Health in all policies“ ist ein beliebtes Schlagwort geworden. Wie es gelingt, dass quer durch alle Stakeholder – vom Arzt über die Pflegevertreter bis hin zu den Medien und Patienten – alle ihre Meinung abgeben können, zeigten heuer erstmals die Gesundheitsgespräche in Alpbach.

„Gesundheit – ein Menschenrecht!“ war das Motto der Gesundheitsgespräche. Die Themen spannten sich von der Kindergesundheit über Diabetes bis hin zur Langzeitpflege. Was waren für Sie die Top-3-Outcomes der Diskussionen?

Rumler: Erstens der eindeutige Wunsch nach Vereinfachung von Strukturen, um Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und rascher oft längst fällige Aktionen umzusetzen. Zweitens mehr Transparenz bei Daten und Fakten – oft fehlt überhaupt die Grundlage für Planungen. Drittens wollen alle Beteiligten durch vernünftig gesetzte Ziele größere Planbarkeit und einen besseren Outcome erreichen.

Welchen Beitrag dazu können Pharmaunternehmen leisten?

Rumler: Die Pharmaindustrie braucht zehn bis zwölf Jahre, um ein Medikament zu entwickeln, und investiert dabei bis zu 1,3 Mrd. USD. Wir unterstützen all diese sinnvollen Veränderungsvorschläge, denn das gibt auch uns die Möglichkeit, besser zu planen und die Forschung effizienter und zielgerichteter zu gestalten. Wir möchten uns daher gerne noch mehr an der Diskussion um die Gesundheitsziele beteiligen, da wir überzeugt sind, sehr viel Know-how in den Prozess einbringen zu können. Derzeit ist die Industrie nur indirekt in die Planungen eingebunden, das finde ich schade.

Was konkret hat die PHARMIG in diesem Zusammenhang geplant?

Rumler: Wir haben bereits den ersten großen Schritt gesetzt: Durch den Abschluss des Rahmenpharmavertrages mit dem Hauptverband werden dem System insgesamt 82 Millionen Euro vonseiten der Pharmawirtschaft bis 2015 zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus haben wir beschlossen, fast sieben Millionen des Betrages in ein zweckgebundenes Gesundheitsziel rund um Kindergesundheit und Prävention zu investieren. Wir wollen damit ein Signal setzen und wünschen uns, dass andere Gremien nachziehen. Gesundheit geht uns alle an, hier sind alle Player gefragt.

Den Politikern wurden aus den Arbeitsgruppen heraus sehr konkrete Reformvorschläge unterbreitet. Haben Sie den Eindruck, dass die Vorschläge, die durch eine extrem hohe Beteiligung der Teilnehmer – und damit basierend auf einem breiten und interdisziplinären Know-how – zustande kamen, bei den politischen Entscheidungsträgern „angekommen“ sind?

Rumler: Ich bin überzeugt, dass die Politiker die Botschaften verstanden haben und auch bereits vermehrt Experten in ihre Planungen einbinden. Es ist sicher der bessere Weg zum Ziel, wenn Experten die Zukunft gestalten und die Politik entsprechend die Rahmenbedingungen schafft. Gesundheit braucht Ziele, das Gesundheitssystem muss sich daran anpassen. Und nicht umgekehrt!

Wenn wir in einem Jahr wieder zusammensitzen, was wird sich am ehesten verändert haben?

Rumler: Zum Beispiel in der Arbeitsgruppe für Kinder- und Jugendgesundheit, an der ich selbst teilgenommen habe, sind über 20 sehr konkrete Vorschläge entstanden. Die Signale sind bereits da, dass daran auf jeden Fall weiter gearbeitet wird. Das gilt sicher auch für die anderen Themenkreise. Ich appelliere an alle Teilnehmer, nun die Ideen weiterzuentwickeln und wenn möglich zu realisieren.

Stichwort Partizipation – heuer wurde erstmals der Ablauf der Gesundheitsgespräche neu organisiert. Was ist anders und warum?

Rumler: In Alpbach stand neben den hochwertigen Vorträgen immer schon das Miteinander der Teilnehmer im Vordergrund. Wir haben heuer erstmals diese beiden Aspekte vereint.

Um das Potenzial der Teilnehmer besser nutzen zu können und die Teilnahme noch attraktiver zu machen, fanden heuer erstmals auch interdisziplinäre Arbeitsgruppen, Digi-Voting und sogar eine gemeinsame Bergtour für einen guten Zweck statt. In den Arbeitsgruppen wurden gemeinsam von Entscheidungsträgern, Experten, Industrievertretern und anderen Besuchern konkrete Verbesserungsvorschläge an die Politik formuliert.

Welche Pläne haben Sie für das kommende Jahr?

Rumler: Das neue Konzept hat hervorragend funktioniert und dank der guten Zusammenarbeit zwischen dem Forum Alpbach und dem PHARMIG-Team sehe ich den Gesprächen im nächsten Sommer voller Zuversicht entgegen. Wir haben heuer wirklich viel Lob bekommen ... Das freut mich natürlich sehr!

Forum Alpbach: Die Votingergebnisse im Detail

Das Gespräch führte Mag. Renate Haiden

Die zentralen Änderungsvorschläge aus den Alpbacher Gesundheitsgesprächen
• EIN Budget für Gesundheitswesen und Langzeitpflege
• Diabetes: Investitionen in Prävention und Früherkennung
• Pflege: solidarische, nachhaltige Finanzierung klären
• Kinder/Jugend: „Frühe Hilfen“ als ganzheitliche präventive Programme
• Nationale Anstrengung zur Erhöhung der Gesundheitskompetenz
• Raucher: Verschärfung des österreichischen Rauchergesetzes
• Systematische Datenbasis für Kinder-/Jugendgesundheit
• Entscheidungen über einen Leistungskatalog medizinischer Qualität und Patienteninformation durch eine unabhängige Plattform
• Erstellung eines Programms zur Aus-, Weiter- und Bewusstseinsbildung im Bereich Demenz für Patienten, Angehörige, Betreuende und alle betroffenen Berufsgruppen

Von Mag. R. Haiden, Ärzte Woche 35 /2011

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben