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Gesundheitspolitik 30. August 2011

Die „austherapierte“ Reform

Trotz neuer Impulse steht es um die Gesundheitsreform nicht gerade zum Besten.
Ist eine Lösung in Sicht?

Das heimische Gesundheitssystem zählt zu den besten der Welt. Gleichzeitig diagnostizieren Experten, dass es sich dabei – wäre es ein Patient – um einen multimorbiden, chronisch Kranken mit mangelnder Compliance und deutlicher Behandlungsresistenz handelt. Dieser Widerspruch war der Ausgangspunkt für einen weiteren: „Gesund, gerecht, bezahlbar – ein Widerspruch?“, der auf Einladung der Plattform Gesundheit und des Forum der forschenden Industrie (FOPI) im Rahmen der Gesundheitsgespräche in Alpbach diskutiert wurde.

Dass die Gesundheitsreform ein Dauerbrenner ist, darüber waren sich die rund 200 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Medizin mehr als einig. Ob es einen politischen Gewaltakt braucht, um das System zu ändern, oder ob wir auch mit einer Politik der kleinen Schritte letztendlich zu einem Erfolg kommen – da scheiden sich die Geister. Als gelernte Österreicher halten wir meist wenig von tiefgreifenden Verfassungsumwälzungen, die aber offensichtlich doch notwendig wären, um im Gesundheitswesen die wichtigsten Reformen auf nachhaltige Beine zu stellen.

Die meisten sprechen sich für eine langsame Scheibchentaktik aus: Macht man den falschen Schritt, kann man jederzeit stehenbleiben, zurückgehen oder einen neuen Weg suchen. Dass diese Form der Problemlösung auf die Dauer Ineffizienzen nach sich zieht, ist klar. Nicht nur im Hinblick auf die Kosten könnte dieser Weg der falsche sein, denn mit dem Blick auf andere EU-Länder müssen wir uns auch fragen, ob für die Politik der kleinen Schritte noch genug Zeit bleibt.

Mag. Alois Guger Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung  Mag. Andreas Steiner Vorstandssprecher Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH  Dr. Gerald Bachinger Sprecher der Patientenanwälte Österreichs

Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
"Tendenzen zur Konzentration sind schon sichtbar"
Reformen sind notwendig, da wir für wenig Output sehr hohen Input in das System stecken.
Mag. Alois Guger, Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
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Standpunkt 2
"Prozesse müssen laufend analysiert werden"
Wir haben unsere Standardleistungen reduziert, um Kapazitäten für komplexe Fälle frei zu machen.
Mag. Andreas Steiner, Vorstandssprecher Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH
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Standpunkt 3
"Gute Chancen für viele kleine Reformen"
Für die wirklich tiefgreifenden Reformen ist der Druck noch nicht groß genug.
Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreichs
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Von R. Haiden , Ärzte Woche 35 /2011

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