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Gesundheitspolitik 16. August 2011

Diabetes Charta: Wenig Aussicht auf Erfolg

Die rasant steigende Zahl an Diabetespatienten deutet darauf hin, dass passende Konzepte zur Prävention noch immer fehlen.

Kürzlich verabschiedete die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ein richtungsweisendes Dokument: die „Österreichische Diabetes Charta“. Sie soll ein weiterer Baustein in einer wirkungsvollen Strategie gegen die Volkskrankheit Diabetes sein. Doch Papier ist bekanntlich geduldig. Auch wenn Salzburg und Steiermark die Charta bereits unterstützen und weitere Länder im Herbst folgen wollen, scheint ein wirkungsvoller Ausweg aus der Misere nicht gefunden. Die Zahl der Betroffenen steigt kontinuierlich an.

Hohe Dunkelziffer

Erhebungen aus dem Vorjahr belegen, dass in Österreich nicht wie vermutet rund 500.000 Diabetespatienten zu verzeichnen sind, sondern bereits geschätzte 600.000. Die Dunkelziffer ist hoch – rund 170.000 wissen von ihrer Krankheit noch gar nicht. Mehrgleisigkeiten in der Behandlung, lange Wartezeiten in den Spezialambulanzen und die mangelnde Compliance bei Betroffenen räumen einer Therapie keine großen Chancen ein.

Großer Praxis-Aufwand 

Disease Management Programme erfreuen sich sowohl beim Arzt als auch beim Patienten geringer Beliebtheit, erfordern sie doch ein hohes Maß an organisatorischem Aufwand. Problemfelder wie die Therapie von Adipositas, die zu geringe Bewilligung von Blutzuckerstreifen, Schikanen bei der Verordnung innovativer Medikamente oder fehlende Mittel für unabhängige Studien sind weiterhin ungelöst.

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Unsere Standpunkte (von links nach rechts)

Standpunkt 1
Die Behandlung ist eine unglaubliche Ressourcenverschwendung

"Für wirkungsvolle Lösungen, die multidisziplinär greifen, fehlt der politische Wille." Prof. Dr. Bernhard Ludvik, Leitung der Stoffwechsel- und Diabetesambulanz, Universitätsklinik für Innere Medizin III, AKH Wien
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Standpunkt 2
Diabetesregister fehlt, um Ziele nach validen Daten auszurichten
"Wir kämpfen aktuell mit den Problemen, die sich in den letzten 20 Jahren entwickelt haben." Doz. Dr. Raimund Weitgasser, Präsident der Österreichischen Diabetesgesellschaft (ÖDG)
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Standpunkt 3
Die Prävention hat den gleichen Wert wie der kurative Bereich
"Wir wollen unsere gut funktionierenden und vorhandenen Vorsorgestrukturen nicht unterlaufen." Dr. Peter Rezar, Landesrat Burgenland
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Von V. Weilguni , Ärzte Woche 29/33/2011

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