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Gesundheitspolitik 1. Juli 2011

Partizipation und Organisationsentwicklung im Gesundheitswesen: eine systematische Literaturübersicht

ZIELSETZUNG: Ziel der systematischen Literaturübersicht war die Erfassung der Typen methodischer Zugänge sowie der Häufigkeit von Projekten der partizipativen Organisationsentwicklung in verschiedenen Bereichen der Humanmedizin und eine qualitative Beurteilung der publizierten Daten. METHODIK: Systematische Literaturübersicht über Arbeiten zum Thema partizipative Organisationsentwicklung im Gesundheitswesen anhand von öffentlich zugänglichen Datenbanken. ERGEBNISSE: Wir identifizierten 467 Studien und 5 systematische Übersichtsarbeiten mit unterschiedlichen Partizipationsprojekten, darunter Workshops, Bürgerforen, Focusgruppen, Citizens' Juries und Konsultationen. Ein genereller Trend zu einer besonderen Methode der Partizipation war nicht festzustellen. Eine Kategorisierung der identifizierten Studien hinsichtlich der untersuchten Gesundheitsbereiche ergab folgendes RESULTAT: Allgemeinmedizin/Präventionsmedizin (n = 5), Innere Medizin/Onkologie (n = 132), Geburtshilfe und Frauenheilkunde (n = 2), Chirurgie (n = 1), Neurologie/Psychiatrie (n = 2), Arbeitsmedizin (n = 16), Ausbildung zu Gesundheitsberufen (n = 38), Definition von wissenschaftlichen Zielsetzungen (n = 135) und andere (n = 136). Eine qualitative Analyse von 67/467 (15 %) der Studien anhand von vordefinierten Kriterien ergab ein retrospektives Studiendesign ohne Kontrollgruppen und ohne vordefinierte Bewertung der Ergebnisses in 61/69 Studien (88 %). 6/69 (9 %) Studien beinhalteten eine vordefinierte Bewertung der Ergebnisse, wobei drei Studien ein erfolgreiches Ergebnis und zwei Studien ein nicht erfolgreiches Ergebnis berichteten. Eine Multiprojekt-Studie identifizierte 'sehr erfolgreiche' Projekte in 24 % der Fälle. In 18 Studien wurde das Ausmass der Partizipation angegeben und als 'informiert' in 2/18 Studien, als 'beratend' in 14/18 Studien und als 'beteiligt an Entscheidungen' in 2/18 Studien beurteilt. Die folgenden Faktoren waren in den untersuchten Studien mti einem Projekterfolg assoziiert: adäquate Finanzierung, Kooperationen mit institutionalisierten Organisationen, ausgefeilte Projektlogistik, kleindimensionale Projekte und strukturierte interne und externe Kommunikation. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Projekte der partizipativen Organisationsentwicklung wurden im Gesundheitswesen vor allem in den Bereichen Innere Medizin/Onkologie, Ausbildung zu Gesundheitsberufen und Definition von wissenschaftlichen Zielsetzungen durchgeführt. Unterschiedliche Methoden der Partizipation wurden untersucht, das Ausmass der Partizipation war gering und die Erfolgsrate der Projekte moderat. Potenzielle Erfolgsfaktoren von Partizipationsprojekten im Gesundheitswesen werden anhand der Literatur diskutiert.

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