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Gesundheitspolitik 1. Juli 2011

Einstellungen zur altersbedingten Rationierung von Gesundheitsleistungen: Ergebnisse einer Analyse in Deutschland und Österreich

HINTERGRUND: Die Ausgaben im Gesundheitswesen steigen fortwährend an und die demographische Entwicklung führt immer mehr älterer Patienten in alle medizinischen Versorgungsstufen. In der hierdurch immer wieder ausgelösten Debatte um Priorisierung und Rationierung von Gesundheitsleistungen im Alter wird von Experten die direkte, aber auch indirekte Rationierung bestätigt. Gegenstand der aktuellen Datenerhebung ist die Sichtweise und eine inhaltliche Differenzierung im länderübergreifenden Vergleich darzustellen. METHODIK: Anhand einer standardisierten Befragung wurden Geriater in Deutschland und Österreich hinsichtlich ihrer Einstellungen und ihren Erfahrungen gegenüber der medizinischen Leistungsvergabe bei älteren Patienten befragt. Fachpersonelle Ausstattung, Trägerschaft der geriatrischen Einrichtung und Finanzierung erbrachter Leistungen wurden ebenfalls evaluiert. Die Stichproben wurden mittels t-Test, Mann-Whitney-U-Test und der explorativen Faktorenanalyse auf Strukturmerkmale überprüft, zur Bewertung des Gesamtmodells wurde das Kaiser-Meyer-Olkin-Kriterium verwendet. Die Datenanalyse erfolgte mittels PASW 17 Statistics®. ERGEBNISSE: Von 419 versandten (Deutschland: 199, Österreich: 220) Fragebögen wurden 288 (66 %; Deutschland: 123, Österreich: 165) ausgewertet. Unterschiede zeigten sich im durchschnittlichen Patientenalter (Deutschland: 80,4; Österreich: 71,8), in der Größe der Einrichtungen gemessen an der Bettenzahl (Deutschland: 74,8; Österreich: 110,8 ) und in der Mitarbeiteranzahl Ärzte (Deutschland: 6,8; Österreich: 12,7) und Pflege (Deutschland: 35,2; Österreich: 84,3). In der Art der Versorgungseinrichtungen, der normativen Ausrichtung und den infrastrukturellen Gegebenheiten besteht zwischen den beiden Ländern nur ein geringfügiger Unterschied, die öffentliche/kirchliche Trägerschaft lag bei 71 %. Im Bezug auf die unterschiedlichen Finanzierungssysteme ist ein geringerer Kostendruck bei der Versorgung geriatrischer Patienten in Österreich anzunehmen. SCHLUSSFOLGERUNG: Eine bestehende altersbedingte Rationierung scheint zu bestehen, allerdings wird auch deutlich einer altersunabhängigen Bereitstellung von Ressourcen zugestimmt, obgleich die Experten beider Länder die erkennbare Gefahr des "Ageism" sehen. Da die Diskussion um Rationierung im Gesundheitswesen zukünftig einen hohen Stellenwert einnehmen wird, sollte diese Thematik weiter und differenzierter für das geriatrische Patientenkollektiv erfasst werden.

Adelheid Susanne Esslinger, Florian Meier, Regina E. Roller-Wirnsberger, Hans Jürgen Heppner, Wiener klinische Wochenschrift 13/14/2011

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