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Dr. Michael Krenn, Referent der Österreichischen Ärztekammer für psychosoziale, psychosomatische und psychotherapeutische Medizin
 
Gesundheitspolitik 25. März 2009

Politik müsste bessere Rahmenbedingungen schaffen.

Mediziner und Psychologen sind durch ihre Grundausbildung besonders gut auf das therapeutische Arbeiten spezialisiert. Es gibt ein vielfältiges psychotherapeutisches Angebot, das in zahlreiche Schulen kanalisiert ist und oft keinen berufsspezifischen akademischen Hintergrund hat. Die Situation ist unübersichtlich – Patienten sind oft ratlos und irren teils jahrelang ohne Orientierung herum.

Im Rahmen der Medizinischen Psychotherapie behandeln wir nicht Menschenbilder gemäß einer der zahlreichen psychotherapeutischen Traditionen und Schulen, wir behandeln einen bestimmten individuellen Menschen, der sich nicht in eine der Schulen hineinzwängen lässt. Diese nichtmedizinischen Schulen und Traditionen sind, wenn losgelöst, partikuläre Ansätze und entsprechen nicht dem Verständnis ganzheitlicher Medizin. Die medizinische Psychotherapie ist sicher nicht der einzige Ansatz, aber eben ein ganzheitlicher. Der Arzt übernimmt im Rahmen der medizinischen Psychotherapie die Aufgabe, zwischen Biologie, sozialer Wirklichkeit und geistig seelischen Prozessen zu vermitteln – und diese Aspekte in der Therapie zu berücksichtigen.

Die Gesundheitspolitik müsste Rahmenbedingungen schaffen, damit dies umgesetzt werden kann: Etwa durch eine diesbezüglich effizientere Gewichtung der Leistungspositionen der entsprechenden Krankenversicherungen und damit deutlich besserer Honorierung des Gesprächsanteils.

Es ist auch Zeit, das fast 20 Jahre alte Psychotherapiegesetz zu reformieren – ein Punkt ist dabei sicher die Zugänglichkeit des Berufs. Sehr kritisch zu sehen ist auch, wenn sich die Politik zu stark in die Wissenschaft einmischt, wenn also etwa bestimmte Behandlungskonzepte als „Therapie“ klassifiziert werden, wie z. B. NLP durch die ehemalige Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat – hier wurde nicht nach wissenschaftlichen Kriterien vorgegangen.

Lesen Sie auch die Einführung zum Thema dieser Standpunkte:
Quo vadis, medizinische Psychotherapie?

 

Lesen Sie zu diesem Thema auch diese Standpunkte:

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Dr. Michael Krenn, Referent der Österreichischen Ärztekammer für psychosoziale, psychosomatische und psychotherapeutische Medizin

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 13/2009

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