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Gesundheitspolitik 20. März 2009

Geprüft mit Brief und Siegel

Neue Angebote für mehr Qualitätsmanagement in den heimischen Arztpraxen.

Gleich zwei Anbieter bringen neue Qualitätsinstrumente speziell für Ordinationen in Österreich auf den Markt. Wer die für die Erlangung eines solchen Zertifikats nötigen Voraussetzungen erfüllt, bietet seinen Patienten und Patientinnen Beratungs- und Betreuungsqualität auf hohem und nachvollziehbarem Niveau.

 

„Im Spitalsbereich sind Zertifizierungen bereits gang und gäbe. Auch für Arztpraxen soll es spezielle Qualitätsmanagement-Systeme (QM-Systeme) geben, die teils mit einer Zertifizierung verbunden sind“, erklärt Mag. Alois Alkin, Geschäftsführer des Ärztlichen Qualitätszentrums in Linz. Dieses wurde von der oberösterreichischen Ärztekammer beauftragt, ein QM-System für Arztpraxen für Österreich zu adaptieren. Die Entscheidung fiel auf das seit Jahren erprobte Instrument des „Europäischen Praxis-Assessments“ (EPA). Bereits vor fünf Jahren gab es ein Pilotprojekt mit 34 Ordinationen aus Wien, Niederösterreich, Burgenland, der Steiermark, Salzburg und Oberösterreich.

Nun wird EPA für Ordinationen – sowohl für Allgemeinmediziner als auch für Fachärzte – in ganz Österreich angeboten, wobei die Ärztekammern von Salzburg, Öberösterreich, der Steiermark und dem Burgenland ihren Mitgliedern explizit die Teilnahme empfehlen. Dort werden auch Visitoren ausgebildet. Andere Bundesländer wollen vorerst die weiteren möglichen Vorgaben durch das Gesundheitsministerium abwarten.

„Es handelt sich um eine bereits seit einigen Jahren in Belgien, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden eingesetzte und wissenschaftlich abgesicherte Form des Qualitätsmanagements“, betont Alkin. „EPA ist praxisnah von Ärzten für Ärzte entwickelt und auf österreichische Gegebenheiten abgestimmt.“ Bei der Entwicklung waren sowohl Hausärzte als auch Fachmediziner einbezogen sowie Vertreter der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) und deren Landesorganisationen.

In EPA implementiert wurde auch das bereits seit Jahren in ganz Österreich angebotene Werkzeug des Ärztlichen Qualitätszentrums der strukturierten Patientenbefragung. Außerdem wurde das seit zwei Jahren oft und gerne eingesetzte Musterordinationshandbuch eingebunden, das zahlreiche Checklisten, Beispiele für die Organisation von Abläufen und rechtliche Texte enthält.

Im Rahmen des EPA werden 229 Qualitätsindikatoren in fünf Bereichen erhoben: Finanzen, Menschen (inkl. Beschwerdemanagement und Mitarbeiterorientierung), Kommunikation nach innen und außen (inkl. Datenschutz), Infrastruktur sowie „Qualität & Sicherheit“. Die Evaluierung kostet 1.450 Euro (exklusive Fahrtkosten der Visitatoren), zusätzlich kann um 120 Euro ein drei Jahre gültiges Zertifikat bei der Österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung & Qualitätsmanagement in der Medizin GmbH (ÖQMed) erworben werden. Teil des EPA ist zudem der Besuch eines Visitors, dies sind speziell geschulte Ärzte, die bereits bei der gesetzlich vorgeschriebenen Praxisevaluierung durch die ÖQMed tätig waren. Strukturiert befragt werden sowohl die Ärzte als auch die Mitarbeiter – ein Teil ist eine moderierte Teambesprechung. „Aufgrund der Gesamtanalyse werden dann zielgerichtet Empfehlungen für Verbesserungen sowie – etwa in dieser Teambesprechung – mögliche Wege dorthin aufgezeigt“, so Alkin weiter. Langwierige Vorarbeiten oder Einschulungen seien jedenfalls nicht notwendig.

Der Vergleich macht sicher

Eine Stärke des EPA ist aus Alkins Sicht auch ein Benchmarking mit anderen Ordinationen – um auf eine gewisse Datenbasis als Ausgangspunkt zurückgreifen zu können, sind in ein für Österreich adaptiertes Softwaresystem bereits die Daten von 50 Haus- und 50 Facharztordinationen aus Deutschland eingespielt.

„EPA ist ein arztspezifisches System des Qualitätsmanagements und beruht auf Freiwilligkeit“, ist Dr. Peter Niedermoser, Präsident der Oberösterreichischen Ärztekammer, zufrieden mit dem Ergebnis der langjährigen Entwicklungsarbeit. „Es ist eine Ist-Standserhebung mit dem Ziel einer lernenden Organisation.“ Denn EPA sei deutlich mehr als eine „Eintagsfliege“ und würde einen kontinuierlichen Qualitätskreislauf in den Ordinationen etablieren.

Austria Gütezeichen für Arztpraxen

Wie die Ärzte Woche berichtete, wurde kürzlich auch ein von Quality Austria entwickeltes Gütezeichen für Ordinationen präsentiert (siehe auch Kasten). In die Entwicklung waren neben Ärztevertretern auch Arbeiterkammer, Patientenanwaltschaft und Sozialversicherungen einbezogen. „Das Austria Gütezeichen Arztpraxen umfasst knapp 50 Qualitätskriterien. Diese gliedern sich in allgemeine Anforderungen wie die Einhaltung der relevanten gesetzlichen Bestimmungen, die Strukturqualität sowie Prozess- und Patientenorientierung“, berichtet der Branchenmanager für Gesundheit bei der Quality Austria, Dr. Günther Schreiber. Aufgebaut wird auf den Evaluierungskriterien der ÖQMed. Weitere Anforderungen, die auch von unabhängigen Experten überprüft werden, sind die gezielte fortlaufende Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter, das Terminsystem, Datensicherheit, Tariftransparenz, die Erhebung der Patientenzufriedenheit und, so Schreiber, „die kontinuierliche Verbesserung der Leistungen bis hin zur Teilnahme an Benchmarking-Programmen anerkannter Organisationen. Das Austria Gütezeichen hat – da es bereits seit 60 Jahren am Markt ist – einen hohen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung. Die Kosten für das Gütezeichen betragen inklusive Begehung der Ordination 2.300 Euro.“

www.europaeisches-praxisassessment.de

www.qualityaustria.com

Kasten:
„Gut, wenn sich viele mit Qualität beschäftigen.“
Noch vor seiner Zeit als Präsident der Niederösterreichischen Ärztekammer engagierte sich Dr. Christoph Reisner bei der Entwicklung des Austria Gütezeichen Arztpraxen. „Es ist ein sehr patientenorientiertes Werkzeug – fixe Bestandteile sind etwa die Implementierung eines automatischen Recall-Systems sowie das optimale Management von Wartezeiten.“ Wer zu einer bestimmten Zeit einen Termin bekommt, soll dann nicht trotzdem noch eine halbe Stunde oder mehr warten müssen. Strukturiert und regelmäßig erhoben wird außerdem die Patientenzufriedenheit, Ergebnisse von Befragungen fließen in die Verbesserung von Strukturen und Abläufen ein.
„Eine Zertifizierung wie jene durch das ISO-Verfahren ist für eine kleinteilige Organisation, wie das die meisten ärztlichen Ordinationen sind, meist viel zu groß und sperrig – das Gütezeichen von Quality Austria ist speziell auf deren Bedürfnisse und Möglichkeiten abgestimmt“, analysiert Reisner.
Wenn gleich mehrere neue Qualitätsmanagement-Systeme auf den Markt kommen, sei das positiv zu sehen: „Je mehr Unternehmen sich strukturiert mit dem Thema auseinandersetzen, umso besser. Der Arzt soll zwischen verschiedenen Produkten auswählen können.“ So stellt die Niederösterreichische Ärztekammer ihren Mitgliedern sowohl das EPA als auch das „Austria Gütezeichen Arztpraxen“ vor und weist auch auf andere Möglichkeiten des Qualitätsmanagements hin und unterstützt die Ärzte auch bei der Implementierung und Umsetzung.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche

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