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Gesundheitspolitik 22. Juni 2011

"Es geht sehr viel schief"

Etwa 60 Prozent der Schadensfälle in einem Krankenhaus werden  im OP verursacht. Ein gut eingespieltes Team und der Einsatz einer Checkliste reduzieren laut einer WHO-Studie aus dem Jahr 2009 Komplikationen in diesem Bereich um etwa 30 Prozent.

Fehlendes Management

Allerdings: Diese Ergebnisse wurden in der Folge nicht besonders breit diskutiert und eine flächendeckende Umsetzung in den Alltag ist ausgeblieben, konstatiert Univ.-Prof. Dr. Norbert Pateisky, Leiter der Abteilung für klinisches Risikomanagement und Patientensicherheit an der Universitätsfrauenklinik Wien. Die Rolle des Teams in Sachen Patientensicherheit stand kürzlich im Mittelpunkt des 20. ABBOTT Medical Circle in Wien.

Schlechte Verordnungsqualität

“Wie wir wissen, geht im Gesundheitswesen sehr viel schief”, erklärte Patientenanwaltsprecher Dr. Gerald Bachinger. Neben Fehlern im OP geht es dabei auch um die Medikamentensicherheit und die Verordnungsqualität, sowohl im Spital als auch im niedergelassenen Bereich. „Einer Studie aus Salzburg aus 2009 zufolge“, so Bachinger, „kommen 50 Prozent der Patienten über 60 Jahren wegen schlechter Verordnungsqualität ins Krankenhaus.“

Schnittstelle Arzt-Krankenhaus

Die Verschreibung von zu vielen Medikamenten oder Medikamenten, die ihre Wirkung gegenseitig negativ beeinflussen, könnten mit dem Instrument der E-Medikation deutlich reduziert werden. Derzeit gibt es jedoch vor allem von Seiten der Ärzte Vorbehalte. Die Konsequenzen aus Fehlmedikationen sind allerdings glücklicherweise meist weniger dramatisch: Nur in fünf Prozent dieser Fehler komme es, so Pateisky, zu einem Schaden.

Auch die Schnittstelle zwischen niedergelassenem Arzt und Krankenhaus bedürfe jedenfalls einer Verbesserung, stellte Bachinger fest.

Gutes Team, gutes Konflikmanagement 

Alle Fehler kann man nie vermeiden, meinte Pateisky, das Ziel von Risikomanagement ist aber, keinen Schaden zu erzeugen, indem Fehler im Ansatz erkannt, beendet und möglichst behoben werden. Dies sei nachgewiesermaßen in einem guten Teamklima wesentlich besser möglich, als bei Spannungen im Team. Daher ist das gemeinsame Training des Teams von großer Bedeutung, auch um den gemeinsamen Umgang mit der Checkliste zu üben.

Training und Schulung 

„Anordnen von oben nützt nichts“, so Pateisky: „Das wichtigste ist, dass das Team zum Team wird. Dazu benötigt es Training und Schulung.“ Es gehe dabei, so Bachinger, ebenso um die emotionale Ebene und eine offene Fehlerkultur – auch gegenüber dem Patienten. Es sei nicht einzusehen, dass dieses wichtige Instrument der Qualitätssicherung aus finanziellen Gründen nicht eingesetzt und damit der Patient gefährdet werde. „Das ist auch eine ethische und rechtliche Frage“, unterstrich Pateisky.

Risikobewusstsein schaffen

Als alternatives Instrument, mögliche Fehlerquellen zu reduzieren, nannte Univ.-Prof. Dr. Stefan Kriwanek, Vorstand Chirurgische Abteilung, SMZ Ost Donauspital, Wien, das Risikoassessment. In jedem Fall gelte es ein Risikobewusstsein zu schaffen. Die Motivation sich mit dem Thema Risikomanagement auseinanderzusetzen sei von Abteilung zu Abteilung unterschiedlich.

Einheitliche Dokumentation fehlt

Qualitätskriterien werden in der Dokumentation in österreichischen Spitälern derzeit abgesehen von Sterblichkeit allgemein und der Reinterventionsrate in der Chirurgie nicht erfasst. Eine Vergleichbarkeit ist daher schwer möglich. „Wahrscheinlich gibt es kein allgemein gültiges bestes System“, resümmierte Pateisky: „Unsere Aufgabe ist aber, den besten Österreichmix zusammenzustellen.“

Quelle: 20. ABBOTT Medical Circle Jubiläumsveranstaltung – Gesprächsrunde, ‚Medical Team Training‘ – der Golden Standard in Sachen Patientensicherheit?, 20. Juni 2011, Wien  

ki

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