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Foto: www.lenz.cc
Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel und ist Medizinerin sowie Gesundheitsjournalistin.
 
Gesundheitspolitik 12. März 2009

News aus Brüssel

Organspende europaweit: 56.000 Patienten warten.

Im Dezember 2008 hat die Europäische Kommission einen Zehn-Punkte-Plan für die Verbesserung der Organspende- und Transplantationssysteme in Europa angenommen. Mit der Spendewilligkeit der Europäer steht es nämlich nicht zum Besten: Der EU-Durchschnitt liegt bei 18 Spendern pro eine Million Einwohner; die höchste Spenderate haben die Spanier (35 Spender), die Griechen bilden mit sechs Spendern zu einer Million das Schlusslicht. Dabei machen sich in der EU derzeit 56.000 Patienten Hoffnung auf ein geeignetes Organ, jeden Tag sterben zwölf Menschen während der Wartezeit.

Die erste Schwerpunktmaßnahme der EU: In allen Krankenhäusern mit Organspendepotenzial sollen Transplantationskoordinatoren benannt werden. Diese sind als primäre Ansprechpartner dafür zuständig, ein Programm für die ‚proaktive Spenderdetektion’ zu erarbeiten, heißt es im Positionspapier der EU. Konsequenterweise sollen auch Qualitätsverbesserungsprogramme für die Organspende gefördert werden: Hier geht es vor allem um die Selbstbewertung des gesamten Organspendeprozesses, unter Berücksichtigung der Merkmale des Krankenhauses und des jeweiligen Gesundheitssystems.

Bewusstsein wecken

Auch die Lebendspende soll gefördert werden. Dabei stehen die Verbesserung des Wissensstands und der Kommunikationskompetenz der Angehörigen der Gesundheitsberufe und Selbsthilfegruppen zum Thema Organtransplantation im Zentrum; im Rahmen von Sensibilisierungskampagnen sollten sowohl Bürger als auch Patienten über ihre Rechte im Bereich der Organspende und -transplantation in den einzelnen Mitgliedstaaten informiert werden.

Der Organaustausch zwischen den Mitgliedstaaten ist bereits gängige Praxis, aber mit erheblichen Unterschieden: Zwischen Staaten, die Einrichtungen für den Organaustausch etabliert haben (z. B. Eurotransplant: Österreich, Deutschland, die Benelux-Staaten, Slowenien und Kroatien), werden 20 Prozent aller pro Jahr transplantierten Organe vermittelt, während aus bzw. in das Eurotransplant-Einzugsgebiet lediglich zwei Prozent ausgetauscht werden. Bilaterale Vereinbarungen sollen Abhilfe schaffen.

Außerdem soll in jedem Mitgliedstaat eine nationale Behörde geschaffen werden, um die Einhaltung der EU-Qualitäts- und Sicherheitsstandards zu gewährleisten; dazu zählen die Einrichtung eines Rückverfolgbarkeitssystems für menschliche Organe und eines Meldesystems für schwerwiegende Zwischenfälle und unerwünschte Reaktionen. EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou: „Ziel dieser Maßnahmen ist es, das Risiko für den Organempfänger zu minimieren und die Zuteilung der Organe in der ganzen Europäischen Union zu verbessern und zu optimieren.“

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Dr. Lydia Unger-Hunt lebt in Brüssel und ist Medizinerin sowie Gesundheitsjournalistin.

Von Dr. Lydia Unger-Hunt, Ärzte Woche

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