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Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim, Leiterin des Instituts für Pathophysiologie
 
Gesundheitspolitik 12. März 2009

Der Club der Professorinnen

An der Medizinischen Universität Wien engagieren sich erfolgreiche Frauen gegen Benachteiligung ihrer Kolleginnen durch Männer.

Was können wir weniger gut als unsere männlichen Kollegen? Worin sind uns „die Herren Professoren“ so überlegen, dass wir in den entscheidungstragenden Gremien, in Führungspositionen und auch in der Forschung kaum über der Wahrnehmungsschwelle vertreten sind? Diese und ähnliche Fragen ließen die wenigen ordentlichen Professorinnen der MedUni Wien nicht zur Ruhe kommen und so gründeten sie 2005 ihren „Professorinnenclub“.

 

Vordergründiges Ziel des Professorinnenclubs sei es gewesen, so die Initiatorin Prof. Dr. Veronika Fialka-Moser, Leiterin der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, die Position der Frauen innerhalb der Medizinischen Universität zu stärken und jene, „die hinauf wollen, zu unterstützen“. So manches haben sie im und durch den Club erreicht – vieles steht ihnen noch bevor. Deutlich spürbar ist im Gespräch: Sie werden nicht aufgeben, bis auch an der Medizinischen Universität Wien „Gleiches mit Gleichem abgegolten wird“.

Nur zehn Prozent Professorinnen

Zum Zeitpunkt der Clubgründung gab es an der MedUni Wien neun ordentliche Professorinnen. In den vergangenen drei Jahren ist deren Anzahl auf 16 angestiegen, womit der Professorinnen-Anteil an der gesamten ordentlichen Professorenschaft knapp mehr als zehn Prozent beträgt. So besetze frau heute auch bereits entscheidungsrelevante Positionen in wichtigen Gremien, wie etwa dem Senat, wie Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim, Leiterin des Instituts für Pathophysiologie. Während in der vorangegangenen Periode nur eine Frau im Senat vertreten war, sind es heute mit Fialka-Moser, Prof. DDr. Eva Piehslinger (Zahnheilkunde) und Prof. Dr. Christa Fonatsch (Institut für Humangenetik) bereits drei Frauen.

Vorbild Amerika

Allerdings werden nur zwei klinische Abteilungen des Universitätskrankenhauses von Frauen geleitet: zum einen die Klinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation und zum anderen die Universitätsaugenklinik, und zwar von Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurt. Sie hat – ehe sie nach Wien kam – nicht nur an einigen deutschen Universitätskliniken gearbeitet, sondern auch in den USA. Während sich die Situation in Deutschland ganz ähnlich wie in Österreich darstelle, seien uns die „Amerikaner meilenweit voraus, weil es dort eine Selbstverständlichkeit ist, dass Frauen vorne mit dabei sind“, so Schmidt-Erfurt. Auch die Angiologin Prof. Dr. Renate Koppensteiner kann ein Lied davon singen. Bevor sie an die klinische Abteilung für Angiologie an der Wiener Universitätsklinik kam, leitete sie einige Jahre die Abteilung für Angiologie am Universitätsspital Zürich. Sie beschreibt insbesondere die erste Zeit, in der sich die Kollegen an eine „Chefin“ zu gewöhnen hatten, als „äußerst hart“. „Das war kein Honiglecken“, sagt Koppensteiner.

Hierzulande sind Frauen auch an der Spitze von medizinischen Fachgesellschaften die Ausnahme. Prof. Dr. Ingrid Pabinger, die der Gesellschaft für Thrombose- und Homöostaseforschung vorsteht, ist eine solche Ausnahme und bei internationalen Zusammenkünften von Fachgesellschaften meist die einzige Frau. Wenn es hoch hergehe, sei manchmal eine zweite Frau dabei, so Pabinger. Das hat laut Prof. Dr. Marianne Springer-Kremser von der Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie damit zu tun, dass die männlichen Kollegen über unterschiedlichste, gut funktionierende Netzwerke verfügen.

Networking für Frauen

Ein Netzwerk der fraulichen Art sollte der Professorinnenclub der MedUni Wien werden und ist es zum Teil auch geworden. Ein besonderes Anliegen sehen die Professorinnen darin, jungen Kolleginnen den Zugang zur Forschung zu erleichtern, und zu verhindern, dass die Frauen weiterhin vornehmlich in den klinischen Alltag abgedrängt werden, während sich die männlichen Kollegen durch Publikationen einen Namen machen. Allerdings, man sollte es nicht für möglich halten: Wissenschaftliche Arbeiten von Frauen werden offensichtlich – nur weil sie eben von einer Frau kommen – schlechter bewertet als vergleichbare Arbeiten mit männlicher Autorenschaft. Das sei durch eine Untersuchung belegt. Dieser Usus stärke jedenfalls nicht das Selbstbewusstsein angehender und junger Wissenschaftlerinnen, sondern führe vielmehr dazu, dass sich junge Frauen hinsichtlich Forschung viel weniger zutrauen als Männer, bedauern Piehslinger und Fialka-Moser unisono.

Durchsetzungsfähigkeit

Warum es auch für Frauen ausgesprochen wichtig ist, sich in der Forschung durchzusetzen, bringt Jensen-Jarolim – die dies im Übrigen geschafft hat und daher weiß, wovon sie redet – auf den Punkt: „Wenn man in der Forschung an den großen Topf kommt, dann muss man nicht nächtelang sitzen und Projekte schreiben, sondern man muss hinkünftig einfach zu den richtigen Zeitpunkten bei den richtigen Sitzungen sein.“

Apropos Sitzungen: Dort heiße es sich durchzusetzen, auch wenn Frauen viel öfter ins Wort gefallen werde als Männern, so die Professorinnen einhellig. Dass Männer viel schneller den Mund aufmachen („ ... und dabei kein Problem haben, Belangloses von sich zu geben...“), während sich Frauen eher zurückhalten („ .... wenn sie nicht schon ziemlich weit oben sind ...“), dem müsse entgegengearbeitet werden. Tatsächliche Chancengleichheit werde frau aber nach Ansicht von Schmidt-Erfurt nur erreichen, wenn die unterschiedlichen Lebensbedingungen von Frauen und Männern in die Gleichung eingerechnet werden. Frauen würden nun einmal – und das ist bei Medizinerinnen und Forscherinnen nicht anders als beim Gros der Frauen – Kinder und Haushalt und oft auch noch unterstützungsbedürftige Angehörige betreuen. Wie frau überhaupt für so ziemlich alles die Verantwortung trage.

Alles unter einen Hut bringen

Einigkeit herrscht unter den Professorinnen auch bezüglich folgender Erfahrung: Es war und ist nicht einfach, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Frau müsse, wolle sie Karriere machen, eigene Bedürfnisse zurückstecken. Die meisten von ihnen können ein Lied davon singen, wie schwer es gewesen ist, sich unter den männlichen Kollegen durchzusetzen. Und so hat sich der Professorinnenclub der Medizinischen Universität zum Ziel gesetzt, junge Kolleginnen, die nach oben wollen, dabei nicht nur zu unterstützen, sondern zu versuchen, jungen Kolleginnen einiges von dem zu ersparen, was so manchen von ihnen nicht erspart geblieben ist, als sie begannen, sich im Revier der männlichen Kollegen zu behaupten.

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Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim, Leiterin des Instituts für Pathophysiologie

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Prof. Dr. Veronika Fialka-Moser Leiterin der Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation

Von Dr. Eveline Schütz, Ärzte Woche

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