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Gesundheitspolitik 1. Mai 2011

Hochfrequente elektromagnetische Wellen und unspezifische Gesundheitsbeschwerden: eine Literaturübersicht

Dieser Artikel aktualisiert eine frühere systematische Literaturübersicht (1) zu den Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder (RF-EMF) auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Zwischen August 2007 und November 2010 sind zur Exposition gegenüber Nahfeldquellen wie Mobil- und Schnurlostelefonen neun randomisierte experimentelle Studien und zwei beobachtende Studien erschienen. Die Fernfeldexposition, wie sie beispielsweise in der Umgebung von Mobilfunkbasisstationen auftritt, wurde in sechs experimentellen und acht beobachtenden Studien untersucht. Die meisten Experimente zeigten keinen Zusammenhang zwischen der Hochfrequenzbelastung und dem Auftreten von unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Konzentrationsstörungen. Die sporadisch beobachteten Assoziationen ergaben kein einheitliches Muster, weder bezüglich der Symptomform noch bezüglich der Effektrichtung (Zu- oder Abnahme). Auch in den beobachtenden Studien bestanden grösstenteils keine Zusammenhänge zwischen der RF-EMF-Belastung und dem Auftreten von Beschwerden. Die Aussagekraft dieser Studien wird allerdings dadurch eingeschränkt, dass die Expositionskontraste in den Kollektiven gering waren und Fehler in der Expositionsabschätzung nicht ausgeschlossen werden können. Ausserdem fehlen Studien über einen längeren Beobachtungszeitraum, und es gibt noch kaum Untersuchungen an Kindern und Jugendlichen. Insgesamt weisen die aktuellen Studien nicht auf einen Zusammenhang zwischen der alltäglichen Hochfrequenzbelastung und dem Auftreten von unspezifischen Symptomen hin. Sie zeigen auch nicht, dass Personen, die sich selbst als hypersensibel bezeichnen, empfindlicher auf RF-EMF reagieren als der Rest der Bevölkerung. Da sich die Technik der Mobilkommunikation rasch weiter entwickelt und die alltägliche Exposition in Zukunft voraussichtlich ansteigen wird, sind aber longitudinale Studien zur Untersuchung eventueller Langzeiteffekte erforderlich. Wegen der weiten Verbreitung der drahtlosen Kommunikationstechnik hätten schädliche Auswirkungen eine grosse Public Health-Relevanz.

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