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Prof. Dr. Heinz Katschnig, Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Sozialpsychiatrie
 
Gesundheitspolitik 11. März 2009

Psychiatrische Krankenhäuser zu betreiben ist antiquiert.

Das Ziel muss die Dezentralisierung sein: Einige Bundesländer wie Oberösterreich und Niederösterreich sind in der Umsetzung der Dezentralisierung schon sehr weit. In der Steiermark bewegt sich hier allerdings noch zu wenig. Das ist sicher eines der größten Probleme in der psychiatrischen Versorgung in Österreich, dass mancherorts am Konzept des psychiatrischen Krankenhauses festgehalten wird. Dabei zeigen die Erfahrungen aus Niederösterreich deutlich die Vorteile: So betrug die Rate der Zwangseinweisungen im inzwischen aufgelösten Gugging über 50 Prozent, in Hollabrunn – einem der vier dezentralen allgemeinen Spitäler mit psychiatrischer Abteilung im Osten Niederösterreichs – liegt diese zwischen 10 und 15 Prozent. Ist schon die Einweisungssituation problematisch, sind weitere Eskalationen deutlich wahrscheinlicher – die Dezentralisierung ist also ein wichtiges Element bei der Vermeidung von Freiheitsbeschränkungen. Und es bringt einen ganz deutlichen Abbau der Stigmatisierung der Menschen mit psychischen Krankheiten.

Weiters ist die mangelnde Zahl an Fachärzten für Psychiatrie ein Problem – Ausbau und Attraktivermachen der Arbeits- und Ausbildungsplätze wäre sehr wichtig. Zum Personalproblem ist zu sagen, auch in Bezug auf Pflegefachkräfte: Das Stigma der Groß„anstalt“ wirkt sich auch auf die Mitarbeiter aus, einige Wiener sind sehr gezielt nach Niederösterreich gewechselt. Ein weiteres Problem in der psychiatrischen Versorgung ist die oft fehlende Durchlässigkeit zwischen Gesundheits- und Sozialbudgets. Viele Menschen mit psychischen Krankheiten bräuchten kein Spitalsbett, wenn es genügend adäquate Angebote wie Wohngemeinschaften gäbe.

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Dringender Handlungsbedarf in der Psychiatrie

 

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Dr. Heinz Katschnig Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Sozialpsychiatrie

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche

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