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Foto: Privat
Prof. Dr. Christoph Stuppäck, past president der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie (ÖGPP)
 
Gesundheitspolitik 11. März 2009

Psychiatriekonzepte umsetzen statt Endlosdiskussionen.

Die Umsetzung der Psychiatriekonzepte in den Ländern hinkt gerade bei der Dezentralisierung – dem weiteren Auflösen von Großanstalten – um bis zu zehn Jahre hinterher. Werden Betten reduziert, wird zu wenig in den Aufbau niedergelassener Strukturen investiert. Selbstkritisch ist zu sagen: Oft fällt es Psychiatern selbst schwer, lieb gewordene Projekte loszulassen – wobei es kaum verständlich ist, wenn etwa ein Primariat mit dem Auftrag zu dezentralisieren geschaffen wird, was letztendlich darauf hinausläuft, sich selbst aufzulösen.

Gerne diskutiert wird ein drohender Ärztemangel – dass die Psychiatrie schon jetzt davon betroffen ist, ist kaum Thema: Viele Stellen können schon seit längerem nicht besetzt werden, vor allem abseits der Ballungszentren. Ursachen sind der Fachärztemangel, fehlende Ausbildungsplätze und die schlechte Bezahlung von Assistenzärzten. Im Gegensatz zu anderen Fächern ist es kaum möglich, Gehälter durch Klassegelder aufzubessern. Die Gesundheitspolitik ist gefragt, die Arbeitsbedingungen besonders in den Regionen deutlich aufzuwerten.

Ebenso in den Konzepten zu finden ist das Thema der institutionalisierten Zusammenarbeit mit psychosozialen Diensten. Auch diese müsste von der Gesundheitspolitik gefördert werden. Große Defizite gibt es zudem bei der Zahl betreuter Wohngemeinschaften sowie in der psychiatrischen Rehabilitation.

Zum Thema Freiheitsbeschränkungen ist zu sagen, dass es eigentlich klare Richtlinien und Empfehlungen der ÖGPP gibt, in denen etwa das Netzbett als Maßnahme deutlich abgelehnt wird.

Was noch wichtig zu sagen ist: Um Vorfälle wie im Otto-Wagner-Spital zu verhindern, braucht es auch eine gute Ausstattung mit gut ausgebildetem Personal. Es bringt nichts, einfach in einer politischen Diskussion stecken zu bleiben und Gegenargumente nur vom Tisch zu wischen!

Lesen Sie auch die Einführung zum Thema dieser Ärzte-Woche-Standpunkte:
Dringender Handlungsbedarf in der Psychiatrie

 

Lesen Sie zu diesem Thema auch diese Standpunkte:

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Prof. Dr. Christoph Stuppäck, past president der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie (ÖGPP)

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche

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