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Mag. Elke Beermann, Leiterin des Fachbereichs Patientenanwaltschaft von „VertretungsNetz“
 
Gesundheitspolitik 11. März 2009

Wichtige Sicht der Patienten und ihrer Angehörigen.

Die Dezentralisierung der Psychiatrie voranzutreiben, würde eine deutliche Verbesserung in der psychiatrischen Versorgung bedeuten, weil so wohnortnahe Versorgung ermöglicht wird. Also ein wichtiger Beitrag zur Entstigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Ein wichtiges Thema bei der Wiener Untersuchungskommission waren die Freiheitsbeschränkungen: Es gibt von ärztlicher Seite Richtlinien, wie mit Notsituationen in psychiatrischen Abteilungen umgegangen werden kann, diese sollten umgesetzt werden. Beschränkungen sollten keinesfalls die Regel sein, sondern die Ausnahme und in genau definierten Situationen möglichst kurz eingesetzt werden. Wichtig ist weiters, dass die Maßnahmen hinsichtlich Art, Grund und Dauer zusätzlich zur Krankengeschichte intern dokumentiert und evaluiert werden. Ziel ist, die Anwendung körpernaher Freiheitsbeschränkungen (wie z. B. Gurtfixierungen) zu minimieren und gemeinsam zu überlegen, wie Alternativen zu Freiheitsbeschränkungen konkret aussehen können.

Auch von der Gesundheitspolitik ist die institutionalisierte Einbeziehung der Sicht von Patienten und ihrer Angehörigen stärker einzufordern. Die Vorfälle im Otto-Wagner-Spital zeigen, dass ihre Rückmeldungen zu wenig ernst genommen sowie als wichtige Beiträge zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Psychiatrie eingesetzt werden.

Ausreichendes und gut ausgebildetes Personal ist ein Schlüsselfaktor, um Eskalationen weniger wahrscheinlich zu machen und mit Notsituationen gut umgehen zu können. Viele Freiheitsbeschränkungen hängen eng mit Überforderung des Personals sowie mit mangelnden gemeinsam überlegten und umgesetzten Alternativen zusammen. Eine Aufstockung des Personals wäre ebenso für die Patientenanwaltschaft wichtig – um die Dezentralisierung gut zu begleiten, braucht es diese Einrichtung auch möglichst unmittelbar vor Ort.

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Mag. Elke Beermann, Leiterin des Fachbereichs Patientenanwaltschaft von „VertretungsNetz“

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche

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