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Gesundheitspolitik 19. Mai 2011

Pro und Contra "Pilotprojekt e-Medikation"

Gestern wollte die Wiener Ärztekammer das Pilotprojekt zur e-Medikation zu Fall bringen, da das Bundesvergabeamt eine "rechtswidrige Vergabe" bei den drei Softwarehersteller feststellte. Damit sei das Pilotprojekt zum Stillstand verurteilt, so die Ärztevertreter, da bis auf weiteres keine Verbesserungen an der Software durchgeführt werden dürfen. Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger wehrt sich und spricht von "standespolitisches Störaktionen", die das Pilotprojekt sicher nicht zu Fall bringen würden. Trotz des Bescheides des Bundesvergabeamtes könnte das Pilotprojekt e-Medikation planmäßig weitergeführt werden. 


Pro Pilotprojekt: "Wir werden das Projekt weiter führen",
Volker Schörghofer Hauptverband der Sozialversicherungsträger

"Der Hauptverband weist die Anschuldigungen der Wiener Ärztekammer entschieden zurück und wird das Pilotprojekt e-Medikation aufgrund des Bescheides des Bundesvergabeamtes auf keinen Fall stoppen." So  Volker Schörghofers Reaktion auf die Aufforderung des Vizepräsidenten der Wiener Ärztekammer das Projekt abzubrechen.

Alle vor der Vertragsaufhebung durch das Bundesvergabeamt erbrachten Leistungen – dazu zählt die Ausstattung der Pilotärzte mit der e-Medikationssoftware – sind davon nicht betroffen. Die  weiteren Leistungen durch die Arztsoftware-Hersteller wird durch den Hauptverband vergaberechtskonform und unter Berücksichtigung des Bescheides des Bundesvergabeamtes sichergestellt werden.

"Wir werden dieses für unsere Versicherten so wichtige Projekt zur Erhöhung der Patientensicherheit und Qualität in der Medikamentenversorgung mit aller Sorgfalt weiterführen", betont Schörghofer.


Contra Pilotprojekt: "Ein Pilot, in dem nichts ausprobiert werden darf, sollte abgebrochen werden."
Johannes Steinhart, Ärztekammer Wien

"Wenn ich eine Strafe von einer unabhängigen Behörde erhalte, kann ich nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", so Johannes Steinhart, Vizepräsident der Ärztekammer Wien, der sich Konsequenzen aus dem Urteil erwartet. Bescheide des Bundesvergabeamts seien "keine Bagatelle, sondern unmittelbar rechtsverbindlich". 

Jedenfalls hätten die aktuellen Entwicklungen "fatale Folgen für das Pilotprojekt e-Medikation". Steinhart: "Dass es, obwohl das System hinten und vorne hinkt, aufgrund des Bundesvergabeamtsbescheids nun zu keinen Softwareadaptionen mehr kommen darf, ist ein herber Rückschlag."

Der Bescheid rücke das e-Medikations-Pilotprojekt damit in ein völlig neues Licht. "Ein Pilot, in dem nichts mehr ausprobiert werden darf, sollte abgebrochen werden."

Steinharts, an die Notfallmedizin angelehntes, Resümee: "Mittlerweile halte ich nicht mehr kleine Transplantationen, sondern bereits einen Defibrillator für notwendig, um das Pilotprojekt e-Medikation noch irgendwie am Leben zu erhalten."

AN/Presse Wr.ÄK, Hauptverband der Sozialversicherungsträger

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