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Gesundheitspolitik 17. Mai 2011

Prävention von trügerischem Glück

Spielsucht-Studie zeigt Handlungsbedarf auf. Die ARGE Suchtvorbeugung hat einen Maßnahmenkatalog vorgestellt.

Die Österreichische ARGE Suchtvorbeugung, ein Zusammenschluss der Suchtpräventionsfachstellen der einzelnen Bundesländer, präsentierte die Ergebnisse der ersten österreichischen Studie zur Prävention der Glücksspielsucht.

 

Die Ergebnisse der ersten österreichischen Studie zur Prävention der Glücksspielsucht zeigen, dass 0,4 Prozent aller Befragten ein problematisches und 0,7 Prozent ein pathologisches Spielverhalten nach DSM-IV (Klassifikationssystem für die Erfassung psychischer Störungen) aufweisen. Das entspricht etwa 64.000 Personen. Gemessen an der Zahl jener, die im vergangenen Jahr an einem Glücksspiel teilgenommen haben, weisen ein Prozent ein problematisches und 1,6 Prozent ein pathologisches Spielverhalten auf. „Auch die Mitarbeiter von Casinos und ‚Winwin‘ (elektronische Glücksspielautomaten) selbst schätzen den Anteil von Problemspielern unter ihrer Kundschaft hoch ein, nämlich bei 14 bis 18 Prozent“, erklärt Studienleiter Dr. Jens Kalke. Außerdem beurteilt das Personal der Glücksspielanbieter den Kenntnisstand der Bevölkerung zu Gefahren des Glücksspiels wie Verschuldung und Sucht als „eher schlecht“. Das größte Gefährdungspotenzial steckt in Glücksspielautomaten, gefolgt von Sportwetten und, mit deutlichem Abstand, den klassischen Casinospielen. Auffällig ist, dass in Wien der Anteil der Automatenspieler (außerhalb der Casinos) höher liegt als im Bundesdurchschnitt (2,8 % vs. 0,1%). Überdurchschnittlich hohe Problemprävalenzen sind unter 18- bis 35-Jährigen zu finden sowie bei Pflichtschulabsolventen, Arbeitslosen, Geringverdienern und Personen, die häufig und mit hohem Geldeinsatz spielen. Personen mit Migrationshintergrund oder aus Familien mit Glücksspielproblemen haben ein erhöhtes Risiko, selbst Spielprobleme zu entwickeln.

Die ARGE Suchtvorbeugung fordert daher unter anderem, den technischen Spielerschutz zu maximieren und primär von der öffentlichen Hand zu finanzieren, Mitarbeiterschulungen der Glücksspielanbieter zu optimieren und schließlich eine entsprechende Jugendschutzgesetzgebung, Sportwetten als Glücksspiel (und nicht als Geschicklichkeitsspiel) einzustufen. Es sollen speziell für Kinder und Jugendliche und insbesondere für Zielgruppen mit speziellen Risikofaktoren entsprechende Präventionsprogramme entwickelt bzw. bereits evaluierte Programme für Österreich adaptiert werden.

 

Quelle: Institut Suchtprävention, Pro Mente Oberösterreich

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