zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 17. Mai 2011

Fragiler Fortschritt

Ärzte ohne Grenzen: „Hauptgeberländer gefährden notwendige Therapie-Veränderungen.“

Die Studie Getting Ahead of the Wave der Organisation Ärzte ohne Grenzen zeigt eine Momentaufnahme von Aids-Programmen in 16 Ländern. 12 Länder behandeln Infizierte bereits in einem früheren Stadium der Krankheit. 14 Länder haben auf besser verträgliche Medikamente umgestellt.

 

Laut einer Studie der Organisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières, MSF) gibt es bei der Behandlung von Aids-Patienten weltweit leichte Fortschritte. Viele der Länder, die am stärksten von Aids betroffen sind, verbessern ihre Therapieansätze, um Todes- und Krankheitsfälle zu reduzieren. Die Untersuchung zeigt auch, dass die von vielen Ländern angestrebte frühere Behandlung von HIV/Aids die Zahl der Neuinfektionen reduziert.

Gleichzeitig verhindert aber die mangelnde Unterstützung der Hauptgeberländer oft entscheidende Veränderungen der Behandlungsprotokolle. Die Studie hat jene HIV/Aids-Programme in 16 Ländern untersucht, in denen 52 Prozent der HIV-infizierten Menschen leben.

Mittel in Frage gestellt

„Eine frühere und bessere Behandlung der HIV-Infizierten verhindert die Verbreitung des Virus – aber scheitert oft am Geld. Die westlichen Regierungen müssen ihrer Verantwortung gerecht werden“, fordert Franz Neunteufl, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich. „Ich fordere die österreichische Bundesregierung neuerlich auf, eine den Möglichkeiten Österreichs angemessene Unterstützung zuzusagen. Es behindert die Aids-Bekämpfung, wenn diese dringend benötigten Beiträge immer wieder verweigert oder in Frage gestellt werden.“

Vom 8. bis zum 10. Juni treffen sich Regierungsvertreter bei den Vereinten Nationen in New York, um das weltweite Programm zur Aids-Bekämpfung in den kommenden zehn Jahren zu entwerfen. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat die Regierungen aufgerufen, die Behandlung von mindestens 13 Millionen HIV/Aids-Patienten bis zum Jahr 2015 zum Ziel zu erklären. Ob diese Forderung umgesetzt werden kann, ist fraglich.

„Zehn Millionen HIV-Infizierte benötigen heute dringend eine Behandlung“, erklärt Dr. Tido von Schön-Angerer, Leiter der internationalen Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Genf. „Mit den richtigen Behandlungsprogrammen könnten wir die Zahl der behandelten Patienten verdreifachen, ohne die Kosten zu verdreifachen. Aber wenn die Geberländer nicht einmal das Behandlungsziel unterstützen, senden sie die klare Botschaft aus, dass sie nicht beabsichtigen, die Aids-Pandemie wirklich in den Griff zu bekommen.“

Die Studie Getting Ahead of the Wave von Ärzte ohne Grenzen zeigt eine Momentaufnahme von Aids-Programmen in 16 Ländern. 12 Länder behandeln Infizierte bereits in einem früheren Stadium der Krankheit. 14 Länder haben auf besser verträgliche Medikamente umgestellt. Beide Maßnahmen sind laut Ärzte ohne Grenzen Teil der neuesten Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Viele Länder, darunter Malawi und Simbabwe, wollen nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen zwar bessere Therapien einführen, können dies aber aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht umsetzen. Infolgedessen werden Patienten mit minderwertigen Medikamenten behandelt – oder erst dann, wenn ihr Immunsystem bereits sehr geschwächt ist.

Ärzte ohne Grenzen startete die antiretrovirale Therapie für HIV-Infizierte im Jahr 2000 und behandelt mittlerweile mehr als 170.000 Aidspatienten in 19 Ländern.

 

 

Der Bericht „Getting Ahead of the Wave“ kann auf www.msfaccess.org heruntergeladen werden

Ärzte ohne Grenzen/PH, Ärzte Woche 20 /2011

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben