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Gesundheitspolitik 17. Mai 2011

Nicht ansteckend, aber tödlich

Die Vereinten Nationen suchen nach Wegen, um die Millionen Todesfälle jährlich zu verhindern.

Nichtübertragbare Krankheiten, vor allem kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs, chronische Lungenerkrankungen und Diabetes sind weltweit für rund 60 Prozent aller Todesfälle verantwortlich. Die Zahlen steigen. Maßnahmen, um dieser Gefährdung zu begegnen, werden global diskutiert.

 

Ein in dieser Form bislang einzigartiges globales Bündnis aus führenden Wissenschaftlern und vier der weltweit größten NGOs trägt nun Daten aus einer fünfjährigen Gemeinschaftsarbeit zusammen. Das Bündnis schlägt eine enge Auswahlliste mit fünf vorrangigen Maßnahmen vor, um diese „globale Krise“ zu bekämpfen:

  • Verringerung des Tabak- und des Salzkonsums,
  • Verbesserung der Ernährung,
  • Steigerung der körperlichen Aktivität,
  • Senkung riskanten Alkoholkonsums,
  • allgemeiner Zugang zu wichtigen Medikamenten und Technologien.

Diese Maßnahmen wurden auf Grund ihrer gesundheitsbezogenen Auswirkungen, ihrer Kostenwirksamkeit, ihres geringen finanziellen Aufwands zur Einführung und ihrer politischen und finanziellen Durchführbarkeit ausgewählt.

Gipfeltreffen im September 2011

Am 19. und 20. September 2011 findet in New York ein UN-Gipfel zu den NCD (non-communicable diseases) statt. Ziel des Gipfeltreffens wird sein, NCD-bedingte Sterblichkeitsraten jährlich um zwei Prozent zu senken, wodurch geschätzte 36 Millionen Todesfälle innerhalb von zehn Jahren verhindert werden könnten.

Die NCD-Aktionsgruppe von The Lancet sowie die NCD-Alliance haben bereits vorab eine klare Reihe von Maßnahmen publiziert, die dazu notwendig wären.

Bis 2040: Unter fünf Prozent Raucher

Nach Meinung der Autoren muss die Senkung des Tabakkonsums oberste Priorität haben, gefolgt von der Reduzierung des Salzkonsums.

Der Schlüssel zum Erfolg dieser Maßnahmen liegt in der beschleunigten Einführung der Rahmenkonvention zur Tabakkontrolle (FCTC), um somit das geplante Ziel zu erreichen. Würde bis 2040 erreicht, dass weniger als fünf Prozent der Bevölkerung rauchen, könnten während zehn Jahren mindestens 5,5 Millionen vorzeitige Todesfälle vermieden werden.

Bis 2025: Weniger als fünf Gramm Salz

Bis 2025 sollte der Pro-Kopf-Salzverbrauch auf weniger als 5 g sinken, so der Wunsch der Autoren. Sie betonen, dass eine Verringerung des Salzkonsums um nur 15 Prozent geschätzte 8,5 Millionen Todesfälle in nur zehn Jahren verhindern könnte. Kampagnen der Massenmedien und eine Neuzusammensetzung verarbeiteter Nahrungsmittel sowie Salzersatz könnten hierzu beitragen.

Kostengünstige Maßnahmen

Die jährlichen Kosten der Einführung einer Tabakkontrolle und Salzkonsumverringerung werden in Ländern wie Indien und China weniger als 50 US-Cents pro Person pro Jahr betragen, so die Autoren. Das gesamte Paket dieser vorrangigen Maßnahmen wird eine neue weltweite Verpflichtung in einer Größenordnung von jährlich etwa 9 Milliarden US-Dollar erfordern.

Um die Interventionen sofort einleiten zu können, müssen die nächsten Schritte priorisiert werden: Nötig wird, eine möglichst umfassende politischen Führung auf höchster nationaler und internationaler Ebene zu sichern, den Ausbau der Gesundheitssysteme (mit Schwerpunkt in der Primärversorgung) zu unterstützen sowie international im Konsens zu kooperieren, um den Fortschritt der wichtigsten Maßnahmen (insbesondere in der primären Vorbeugung) und die Etablierung unabhängiger Systeme für die Überwachung und die Verantwortlichkeiten bewerten zu können.

 

 

Beaglehole B et al.: Priority actions for the non-communicable disease crisis. The Lancet 2011; 377 (9775): 1438–47; doi:10.1016/S0140-6736(11)60393-0

 

Weitere Informationen zum United Nations High-level Meeting on noncommunicable disease prevention and control der WHO (New York, 19. bis 20. September 2011):

http://www.who.int/nmh/events/un_ncd_summit2011/en/

theLancet.com/PH, Ärzte Woche 20 /2011

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